16.04.2016

The Abominable Bride. Oder: Some observations on Time, Space & Plot.

Sicherlich erinnert man sich noch, dass ich eigentlich mal sagte, über noch laufende Serien spricht man nicht - das ist soweit richtig, aber Special Episodes sind ja glücklicherweise was Anderes.;-)

Also kann ich tatsächlich was zu der Sherlock Christmas-Special-Folge The Abominable Bride erzählen, ohne mit abschließenden Urteilen zur Serie an sich in Schwierigkeiten zu geraten und außerdem ein paar Worte zum Thema Ort und Zeit im Erzählen verlieren - letzteres muss nicht zwingend interessieren, kann aber.;-)
Auch hier ist ein "Worum geht es?" in offiziell und "was ich glaube" aufzuteilen: Offiziell geht es um eine Zwischenepisode, die den Beginn der nächsten Staffel vorbereiten und ein bisschen was über Sherlocks Innenleben und Problemlösungsstrategien anhand eines historischen Falls erzählen soll.
Inoffiziell ging es glaube ich vor allem darum back to the roots zu kommen, Benedict Cumberbatch in die offizielle Sherlock-Mütze zu stecken und ein bisschen Victorian-Fanservice zu betreiben.
Gegen nichts davon ist natürlich irgendwas einzuwenden, aber es war zwischendurch schon ein wenig obvious wo die "eeeeeeks" der Fangirls ausgelöst werden sollten.;-)

Ich will mich gar nicht so lange mit der eigentlichen "Fall-Geschichte" aufhalten - auch weil ich das Ende ein wenig naja fand. Ja, Suffragetten sind ein historisch passendes Thema für die Zeit, aber der "Krieg, den wir verlieren müssen" Pathos ging mir ein wenig auf den Zeiger - sondern eigentlich nur was zur Erzählstrategie sagen.

Es wäre im Rahmen eines "ausser der Reihe" Specials bestimmt ok gewesen - oder zumindest mir nicht großartig negativ aufgefallen - einfach eine Viktorianische Episode in eine Neuzeit Serie einzufügen. Wenn man denn unbedingt will, kann man das am Ende immer auf "der Hund hat alles geträumt" (ach nee, das war ja Lost;-D) hinauslaufen lassen.
Was mich hier aber viel mehr geflasht hat, als die etwas lahme Story mit geilen Kostümen, war die Lagenförmige Erzählstruktur, die immer wieder zwischen verschiedenen Zeit-, Orts- und Bewußtseinsebenen springt.
Es mag spätestens seit Inception auch in Film und Fernsehen nicht mehr unbedingt so neu sein, aber ich bin ein großer Fan von Geschichten, die mich immer mal wieder irgendwo hinwerfen, wo ich mich erstmal orientieren muss.

Ich weiß, dass das vielen Menschen anders geht, auch und gerade weil ich mich in der Beta von Elysion immer und immer und immer und immer wieder damit beschäftigt habe, wie meine Zeit und Ortsebenen ineinander greifen.;-)
Gerade zuletzt habe ich noch 3 Stunden meiner Lebenszeit damit verbracht 2 ganze Kapitel immer wieder umzuarrangieren, um das "Gehopse" auszudünnen. Für mich hat es absolut nicht funktioniert. Klar, man kann einfach eine klare Linie zwischen "damals" und "heute", "Traum" oder "Realität" ziehen - das wäre dann das Equivalent zu der Voktorianischen Episode, die am Schluss als Traum aufgelöst wird.
Aber es ist doch einfach viel spannender, wenn man immer mal wieder umdenken muss, sich neu umsehen, rausfinden wo man jetzt schon wieder gelandet ist und warum - und genau deswegen hat mir The Abominable Bride soviel Spaß gemacht und genau deswegen ist die Chronologie von Elysion nach den 3 Stunden wieder genau so wie zu Anfang. Weil mir das einfach Spaß macht, der Leser hat dann halt im Zweifel Pech gehabt.;-)

Übersetzt in Punkte würde ich für eine nette Abendunterhaltung für die Zombie-Braut mal 4 von 5 Meerschaumpfeifen vergeben - wie gesagt der Fall-Plot war mir zu mäh und der Moriaty funktioniert für mich einfach nicht. Auch da, viele Menschen sind anderer Meinung und finden diese Art von Milchbubi-Joker-Bösewicht super. Ich nicht so, also Punktabzug, bumms. Über Geschmack lässt sich ja glücklicherweise nicht streiten, man muss halt nur immer hoffen, dass man vielleicht irgendwen findet, der die eigenen Vorlieben und Abneigungen teilt - Lästern allein ist so langweilig.;-D

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