19.03.2016

Silver Linings. Oder: Wie man seine eigene Message sabotiert.

Ich gestehe es gerne ein: Ich bin nicht so der Psycho-Drama Typ.
Die meisten "Oscar" Filme habe ich schon alleine deswegen nicht gesehen, weil sie mit Gewalt, oder Tod und Schmerz und Menschlichen Abgründen zu tun haben und ich mir das in meiner Freizeit eigentlich ungern gebe. Es gibt bestimmt einige "ernste" Filme, bei denen das mein Verlust ist, aber eigentlich neige ich dazu mich eher an Explosionen und so zu halten (was Hollywood heutzutage als Comedy oder RomCom raushaut ist mir dann auch wieder zu blöd, ich weiß, ich bin schwierig;-).

Tatsächlich lief aber Silver Linings im Fernsehen am Wochenende und irgendwie hatte ich im Kopf, dass ich den Trailer damals irgendwie schon interessant fand - nicht so interessant, als das ich dafür Kino-Geld verpulvert hätte, da bin ich auch schon wieder schwierig, aber irgendwie so "hm könnte man mal anschauen".
Also jetzt im Fernsehen, umsonst, wenn auch in deutscher Synchro, warum also nicht?

Ich spare mir mal den Spoiler Disclaimer, bei so uralt Filmen, die schon auf Pro7 laufen, seit ihrs echt selbst Schuld.;-) Also worum geht's?


Erstmal muss ich an der Stelle vermutlich unterscheiden, um was es geht, wenn man der "offiziellen" Beschreibung glauben wöllte, die (ich habe sie nicht gegoogelt) vermutlich sowas wäre, wie "Zwei Menschen, die ihre Probleme überwinden und zusammenfinden blabla". Und dann gibt es noch meine Theorie was der Film uns eigentlich sagen wollte, was in den ersten 3/4 eigentlich mehr oder minder zusammengefasst werden kann mit "Alle sind bekloppt, aber wenn du mal in der Klapse warst, meinen alle du hättest einen größeren Schaden als sie".

Dieses "Alle Bekloppt, aber die "offiziell bekloppten" haben wenigstens ne Diagnose" gefiel mir eigentlich ganz gut, auch wenn der Film mir ein wenig zu dick aufträgt, was die "psychisch labile Menschen haben wenig Impulskontrolle" Masche angeht. Es mag ja sein, dass Amerikaner Psychische Erkrankungen so sehen und vielleicht hat das Klischee auch vereinzelte Berechtigung, aber im Film läuft es doch sehr oft auf Gezeter und Geschrei hinaus, das nervt meine armen Ohren, auch weil ich nicht glaube, dass diese Art von Charakterzeichnung alternativlos ist.^^
Achso und für die Message "Alle bekloppt" hätte man auch ein wenig nuancierter vorgehen können, als einfach eine Figur mit 95 Zwangsneurosen und Co-Abhängigem Partner und einen 100% Depressiven Familienvater zu lauter Wettsüchtigen zu schmeißen, aber die leisen Töne sind in diesem Film nicht so vertreten, was schade ist, denn die vereinzelten Szenen, in denen er es versucht, sind dann wieder gut.

Das waren die ersten 3/4 des Films. Danach ging es doch dramatisch bergab, denn - und hier kommt leider der Schreiberling in mir durch und möchte irgendwas hauen - ich hasse es, wenn eine Geschichte ihre eigene Message sabotiert, ohne dafür einen wirklich guten Grund aufzuführen!
Was passiert?
Die weibliche Hauptrolle (sehr nett rotzig ansonsten), die die ersten 3/4 des Films mit einiger Berechtigung darauf herumgeritten ist, dass die offiziell diagnostiziert bekloppten wenigstens so ehrlich sind sich nicht zu verstellen und hinter irgendwelchen makellosen Fassaden zu verstecken, lügt sich die Hucke voll, um den Typen, den sie mag dazu zu bringen, zu tun was sie will.
Bäm. Muss man erstmal so verdauen, finde ich.
Nun kann man - und wird man vielleicht auch zu Recht - anführen, dass das ja eine prinzipielle Verletzlichkeit darstellt, so auf seine Prinzipien zu verzichten, weil man verzweifelt diese Beziehung irgendwie erhalten/kitten/wasauchimmer will. Hätte ich akzeptiert, wenn man es mir GEZEIGT hätte.
Aber - und Jennifer Lawrence kann sowas spielen! - das Drehbuch macht sich nicht die Mühe. In einem Moment ist Ehrlichkeit noch das höchste Gut, im nächsten haben wir kein Problem mehr damit das unseren Bedürfnissen unterzuordnen und "das Beste für ihn" zu wollen.
Ohne Reflektion darüber, dass "das Beste für andere zu wollen" der Stolperstein auf dem Weg zu Hölle ist oder so...

Ich mag gerne Happy Ends und dass die männliche Hauptrolle am Ende einsieht, dass er mit seiner Ex-Frau wohl nicht so gut bedient war wie gedacht und sich dann doch für die andere Bekloppte entscheidet, hätte mir gut gefallen, wenn dieses große ABER nicht gewesen wäre.
Unterm Strich muss ich also mal wieder festhalten: Gut, dass ich nicht im Kino war, das Geld hätte mich geärgert!;-)
2,5 von 5 Müllsäcken vergebe ich für vereinzelte nette Ideen und die Tanzszene - ich mag Tanzfilme.;-)

1 Kommentar:

tine hat gesagt…

Ich hab ja statt 'Message' zuerst 'Massage' gelesen und hab mich gefragt, ob der Streifen so schlecht war, dass du nachher gleich wieder total verkrampft warst. Scheint als hätte ich nicht ganz falsch gelegen :D

Aber sei mal ehrlich, du magst Leid und Gewalt und menschliche Abgründe in der Freizeit, vorausgesetzt du schreibst sie selber ;D

Ich hab den Film selber nicht gesehen (und weiß auch nicht, ob ichs will, weil ich von der Romantisierung von psychischen Krankheiten durch Nicht-Betroffene so voll die roten Flecken am Hals kriege), aber generell kotzt mich ja alles an, was offensichtlich eine Message zu vertreten hat, und die dann auch noch sabotiert wird? Näh.

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