03.06.2015

Ist der Hund dein bester Freund? Liegt vielleicht an dir. (Wochengedanke XVI)

Disclaimer: Diese Annekdötchen sind kurz zusammengebastelt und sollen/können keine erschöpfende Darstellung von irgendwas sein! Anregungen, Kritik und eigene Erfahrungen gerne in die Kommentare.


Ich weiß, ich weiß, man sollte keine Kommentare lesen...es ist eine Lektion, die ich scheinbar immer wieder verlerne, oder die mir manchmal entgleitet, denn ab und zu habe ich diese kleinen Hoffnungsmomente, wenn irgendwo bei meinen Mittagspausen-Nachrichten ein paar intelligente Leute Dinge sagen, die ich auch irgendwie nicht ganz falsch finde.
Es ist eine trügerische Hoffnung, denn leider - so sigt es ja auch Farin Urlaub und der ist eben sehr weise;-) - gibt es viel mehr Idioten als man eigentlich so denken möchte und dank des Internets muss man heutzutage so unfassbar viel mehr davon ertragen als früher.


Manchmal rege ich mich über solche Leute einfach nur im Stillen auf, manchmal teile ich meine Frustration mit anderen, aber manchmal finde ich meinen besten Selbstschutz in Ironie - Ironie ist keine Topfpflanze und ein bißchen "drüber lachen" macht Vieles besser.;-)


In einer Mittagspausen-Geschichte aus der letzten Woche ging es um eine indische Mutter, die per Heiratsanzeige einen Ehemann für ihren Sohn suchte. Das wäre vermutlich nichtmal einen Artikel wert, wenn sich Indien nicht so seltsam schwer tun würde seine Koloniale Gesetzgebung abzuschaffen, aber hey, der schwule Sohn hätte auch eine Tochter sein können, das wäre vermutlich noch schlimmer gewesen.^^


Anyway, wie immer bei Fragen der persönlichen Lebensführung, fühlen sich ja viele Menschen mit der Unterhosen-Regel überfordert.
Zur Begriffs-Erklärung: Welche Unterhose ich aussuche, ist meine Entscheidung und nur meine, da sie niemand anderen in seiner Lebensführung beeinträchtigt oder betrifft. Wenn ich möchte, dass sich jemand außer mir mit meiner Unterhose beschäftigt, wird derjenige der Erste sein, der davon erfährt. Nun ersetze man Unterhose durch jede andere Frage der persönlichen Lebensführung, die niemanden sonst etwas angeht oder einschränkt, egal was der nette concern troll von Nebenan denkt.;-)
Nun gibt es ja immer Menschen, die unter "Einschränkung" verstehen "aber ich muss das ja sehen" - diesen Menschen sei eine frohe Botschaft überbracht: Der Nacken des normaltypischen Homo Sapiens lässt sich um 180-200° drehen - in die andere Richtung sehen, müsste also jedem Menschen offen stehen, der noch die Kontrolle über seine wichtigsten Vitalfunktionen hat. Wer keine Kontrolle mehr über diese Vitalfunktionen hat, kann sicherlich bei entsprechenden Betreuungseinrichtungen Hilfe finden.


Es dauerte also auch hier nicht lange, bis der erste Kommentar auftauchte, der sich mit dem prinzipiellen Horror der Homo-Ehe beschäftigte - ich bin nicht sicher, ob mir dieser Ausdruck gefällt btw., aber er wird gebräuchlich so verwendet, also tue ich das auch mal, bis mir jemand eine bessere Alternative vorschlägt;-) - auf dem üblichen Niveau von "Dann können ja gleich auch Männer Kinder heiraten, oder Bauern ihre Kuh, oder ein Mann 5 Frauen" und "Homos und Downsyndromer können ja nix dafür, aber müssen die gleich heiraten?".
Keines dieser "Argumente" macht jetzt für mich inhärent Sinn - wenn man "Ehe = 1Mann + 1Frau" durch "Ehe = 1 Konsenzfähiger Erwachsener + ein anderer Konsenzfähiger Erwachsener" ersetzt, sehe ich jetzt nicht, wo da die Tür für Kuh Brunhilde offen steht...aber gut, um Logik ging es vielleicht auch nicht.;-)
Ich habe keinen Account bei SPON und möchte auch keinen, aber dieser Kommentar (und all seine hirnrissigen Zwillinge) hat mich immerhin genug genervt eine Antwort zu formulieren, die zumindest meine Kollegen zum Lachen gebracht hat.;-)




Lieber userXY,
es ist ja leider immer nur eine Frage der Zeit, bis zu jedem Artikel in Richtung Toleranz und Gleichberechtigung irgendein Hinterwäldtler aus dem Busch kriecht, der immer noch nicht im 21. Jahrhundert ankommen mag. Wie immer in solchen Fällen offenbart ihr Kommentar allerdings mehr unschöne Details über ihr Leben, als das der vermeintlich von ihnen so kritisch beäugten „Perversen“. So gehe ich z.B. davon aus, dass – da sie den Unterschied zwischen Mensch und Tier wohl nicht so ganz einsehen – ihr Hund vermutlich wahrhaft und tatsächlich ihr bester Freund ist, oder sie eine langjährige Beziehung zu einer eleganten Katzendame unterhalten, da es andere Menschen vermutlich kaum mit ihnen aushalten. Dies erklärt vermutlich auch, warum sie keine Vorteile in der Legalisierung der Viel-Ehe sehen, denn dann hätten sie ja nicht nur weiterhin keine Freundin, sondern eventuell 4 Freundinnen weniger als ihr sympathischer Nachbar. Da sie außerdem nicht in der Lage zu sein scheinen einen Unterschied zwischen einer sexueller Orientierung und einer Behinderung zu sehen, gehe ich zudem davon aus, dass Sie Biologie wohl in der Mittelstufe abgewählt haben. Falls Sie allerdings tatsächlich eine normale Schullaufbahn durchlaufen konnten, kommentieren Sie doch bitte noch ein paar Artikel zum Erzieherstreik – Einsichten in ihr beschränktes Weltbild dürften das beste Argument für die Verbesserung frühkindlicher Bildung sein.

 Drüber zu lachen hilft mir halt manchmal mehr, als mich weiter zu ärgern - YMMV. ;-)

1 Kommentar:

tine hat gesagt…

Hehe, diese Interpretation einer Abneigung gegen polyamoröse Ehen gefällt mir außerordentlich gut :D
Und geht mir auch so, 'Homo-Ehe' klingt wie eine Beleidigung. Im Englischsprachigen Raum hat sich 'Marriage Equality' und 'Same Sex Marriage' durchgesetzt. Aber 'Heiratsgleichberechtigung' oder 'Gleichgeschlechtlichte Ehe' ist wohl zu lang für eine Headline im Boulevard...
Naja, wird jedenfalls Zeit, dass das hier endlich kommt. Kann doch nicht sein, dass die hoch-christlichen USA so viel fortschrittlicher sind bei dem Thema :P

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