2015-01-11

Kommunikation für Fortgeschrittene (Zwischenstände)

Mir ist aufgefallen, dass ich lange nichts "kreatives" mehr von mir gegeben habe - wenn man mal vom Advent-Basteln absieht, das immerhin noch erhellend war. ;-) Ok schlechter, Witz, nächter bitte!

Hauptsächlich hat das damit zu tun, dass ich momentan nicht so motiviert bin kurzfristige Projekte zwischenzuschieben und "wieder eine neue Szene geschrieben" ein wenig langweilig als Update ist, oder?
Damit aber nun nicht der Eindruck entsteht, dass gar nichts passiert, sei mal vermeldet, dass ich die ersten 5 Kapitel inzwischen von allen Testlesern zurückbekommen habe und mit den aufkommenden Kommentaren sehr zufrieden war - das best-case Szenario für Feedback ist ja, dass man Hilfe für die kleinen hakenden Punkte der Erzählung bekommt und dabei vorzugsweise gleichzeitig die Rückmeldung, dass man im großen und ganzen auf einem guten Weg ist. :-)

Nun geht es darum die ersten 50% und gleichzeitig den ersten halbwegs in sich geschlossenen Teil der Geschichte abzuschließen und wie so oft im wahren Leben: Abschlüsse erreicht man oft nur mit vielen Gesprächen.
"Normale" Dialoge schreiben ist an sich eine Übung, die halbwegs gut von der Leber weg geht, man ist ja als Mensch normalerweise ein bißchen geübt in alltäglicher Kommunikation.;-) Je schwieriger das Thema allerdings wird und vor allem je mehr "Stimmen" an der Unterhaltung beteiligt sein müssen, desto schlimmer wird es (finde ich zumindest).
Und so kam es, dass ich mich tatsächlich mal hinsetzen musste, um mir einen Weg zu überlegen diese "Oh weiah wie soll ich das bloß jemals alles zusammenbringen"-Szene einigermaßen aufzudröseln.
Ich habe dabei auf 2 Prinzipien zurückgegriffen, die vielleicht auch für andere hilfreich sein könnten:

1. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte
Meine Art Geschichten und Szenen zu konzipieren, würde vermutlich jeden "ernsthaften" Autoren in den Wahnsinn treiben. Meistens habe ich so ca. 1-5 Zeilen Stichworte und ein Anfangsbild im Kopf und dann lasse ich das einfach mal laufen. Meistens fällt mir dann hinterher, wenn die Szene fertig ist, auf was für viele kleine Dinge das jetzt für meinen Handlungsverlauf geregelt und gelöst hat...;-)
Und wenn mir nichts einfällt, halte ich Mittagsschlaf, im Schlaf kommen mir die besten Ideen...anyway, was ich damit sagen will: Ich bin nicht der Typ, der großartige Pläne aufschreibt und/oder sich stundenlang über irgendwelchen Notizen den Kopf zerbricht.
Aber: Ich stehe auf Diagramme! Diagramme sind super und man kann sie für fast alles gebrauchen, so zum Beispiel auch für Diskussionen mit 7 verschiedenen Personen, die alle irgendwas anderes zur Unterhaltung beitragen sollen.
Auf so einem weißen Zettel kann man zuerst mal festhalten wer die Personen sind, wo sie sich z.B. in dem Raum aufhalten, den man vielleicht konzipiert, oder aber auch wie sie sich zueinander positionieren - in einer Gruppe gibt es immer Untergruppen, dazu später. Dann brauchen wir drei Dinge:
1. Welche Stimmung bringt jede Person mit in das Gespräch (Wut, Verwirrung, Neugier, Angst...?)
2. Mit welcher Stimmung möchte ich sie aus der Situation entlassen?
3. Was muss passieren, damit wir von 1 zu 2 kommen? (Eine Entschuldigung, eine Erklärung, eine offene Auseinandersetzung usw.)

Ich habe mal versucht mein abschließendes Bild zu fotografieren, aber leider sind die Bleisiftstriche überhaupt nicht zu erkennen und am Ende waren es auch so etlich viele Pfeile, dass man mir kaum glauben würde, dass mir das wirklich weitergeholfen hat, aber es hat, ehrlich!;-)

2. Divide and Conquer
Noch so eine Beobachtung aus dem echten Leben: In jeder Gruppe gibt es Untergruppen, je größer die Gruppe, desto komplexer wird das.
Um also große, komplizierte "Wir müssen jetzt das Leben, das Universum und den ganzen Rest in einer riesen Versammlung ausdisskutieren" Szenen ein wenig überschaubarer zu machen, kann man beliebig viele Untergruppen Teile dieser Diskussionen schonmal in anderen Szenen haben lassen. Wenn keiner eine Lösung weiß, bilden wir nen Arbeitskreis oder so...;-)
Man (ich) muss sich aber überlegen, wie man dann die Einzeldiskussionen so zusammenbringt, dass das noch was wirklich "Neues" beiträgt - aber da muss ich nochmal drüber schlafen!;-)

In diesem Sinne ein schönes Restwochenende!

Kommentare:

Thomas Michalski hat gesagt…

Heyho!

Durchaus gedanklich glaube ich nicht ganz ab von dem, was du in beschreibst, habe ich mir schon vor einer ganzen Weile gewissermaßen einen Kniff bei Film und Theater geborgt.
Wenn du Regie führst, egal für welches Zielmedium, musst du dir ja letztlich auch überlegen, wo du möchtest, dass deine Darsteller stehen und du wirst eine Meinung haben, wie sie sagen, was sie sagen. Vielleicht drängst du es ihnen nicht auf, vielleicht ergibt es sich an sich auch von selbst, aber letztlich kommt es darauf an, eine Antwort zu haben, falls sie fragen sollten.

Ich hab in "Schleier aus Schnee" eine "Szene", in der acht Figuren gleichzeitig im Raum sind und quasi alle auch etwas zum Dialog beitragen.
Und das habe ich letztlich grob so aufgelöst: Wer ist wo, wie sitzt oder lehnt er vielleicht im Raum. Was für eine Körpersprache hat er.
Es steht nicht bei allen dabei, aber es beeinflusst die Art, wie sie reden, wie sie sich geben. Dann eben auch: Wie sprechen sie. In welcher Stimmung sind sie; würden sie jetzt was sagen und wenn ja, eher kurz und präzise, oder redselig. Positiv oder negativ?

Und dann … ja … weise ich meine Figuren halt an ;)


Viele Grüße,
Thomas

Ela Sonntag hat gesagt…

Jetzt würde mich interessieren, wie das "Anweisen" denn so vor sich geht...? :-)

Prinzipiell bin ich ein großer Fan von jeder Art von "Wie sehen die Figuren aus während sie sprechen" Einschüben - manchmal vielleicht auch zu sehr, das muss man dann in der BETA zurückschneiden...;-) - weil ich finde, dass viel "personal drama", das in der eigentlichen Debatte jetzt mal zweitrangig ist auch in die Körpersprache fließen kann.

Ich bin aber trotzdem irgendwie froh, wenn ich meine kleine Party jetzt demnächst wieder in die Wildniss schicken kann - Massendisskusionen sind einfach anstrengend! ;-D

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