30.09.2014

Ein paar Gedanken zu erzählerischer Prioritätensetzung

Ich weiß, eigentlich wollte ich Zwischenstände machen, aber da ich mich jetzt einen ganzen Monat "nur" mit einem Kapitel herumgeschlagen habe, wäre das nicht so vielversprechend...aber ich habe (glaube ich) zumindest rausgefunden warum das so zäh war und das ist (denke ich) die interessantere Geschichte!;-)

Ich habe mich im "Laufe" diess Kapitels mit Gedanken auseinandersetzen müssen, die so ein bißchen in dieselbe Kerbe schlagen:
1. Welchen Raum gebe ich Rückblenden?
2. Wieviel Love-Interest braucht mein Plot?

Und ich möchte noch einen dritten Gedanken dazunehmen, der mir beim Anlesen eines Buches unterkam:
3. Wie weit bin ich bereit meinen Stil meinem Erzähler anzupassen?

Nun gibt es ja Menschen, die jegliche Rückblende in einer Geschichte für fehl am Platz halten - ungelogen, ist wirklich so! - wenn man dieser Meinung ist, muss man sich mit Frage 1 nicht befassen, aber ich denke es gibt einige gute Gründe nicht chronologisch zu erzählen:
1. Ich mag gern mitten in der Scheiße anfangen!;-)
Man verzeihe mir die Wortwahl, aber ich wollte mal an das Prinzip von Fortsetzungsfilmen anschließen. Aber es ist ja so: Das chronologische Erzählen macht da Sinn, wo unsere Priorität darauf liegt, dass eine Situation oder ein Plot langsam an Fahrt aufnimmt - eignet sich z.B. gut für Horrorgeschichten, wo am Anfang alles ganz harmlos ist, bis es das irgendwann nicht mehr ist. Aber ich denke diese Chronologie zu durchbrechen, muss nicht zwingend überfrachtet, lang(weilig) oder verwirrend sein.
2. Leser vs. Charackterwissen
Mit Rückblicken spielen, bedeutet auch (fast) immer, dem Leser Informationen an die Hand zu geben, die nicht allen Figuren der Geschichte bekannt sind. So lassen sich ganz nette Spannungseffekte erzielen und psychologische Hintergedanken einstreuen.
3. Unterbrechen der Spannungskurve
Ich gebe zu, man muss mit Unterbrechungen der Spannungskurve vorsichtig sein - einen seiner Hauptcharacktere aus der sich gerade zuspitzenden Eskalation zu reißen, um mal eben für 300Seiten sienen Vaterkomplex aufzuarbeiten, hat mich schonmal dazu gebracht ein Buch angewiedert in die Ecke zu werfen.;-) Aber gerade im Aufbau des Konfliktes und in Kombination mit Punkt 2 kann man noch relativ gefahrlos die Frage beantworten wie man denn in die Scheiße überhaupt reingeraten ist...;-)

Diese Frage hat im Plot von Elysion ziemlich viel mit einem der Love-Interest-Plots zu tun, der aber sonst auch nichts macht, außer das zentrale Problem anzustoßen. Also findet diese zwischenwesenliche "Annäherung" nur in dieser einen Rückblende statt und danach vielleicht nochmal im Epilog, weil zwischendurch hat da keiner Zeit zu. Ich persönlich finde das nicht so schlimm, aber ich habe mich ziemlich lange und ausdauernd gefragt, ob ich aus reinem "Kundenservice" dieses Thema noch ausbauen sollte  - ich war ja beispielsweise bei den Herr der Ringe Filmen eher ein Verfechter der "ausgebauten" Frauenrollen. Aber andererseits wird im Krieg gegen Sauron auch nicht ständig rumgeknutscht und bei Hunger Games lenkt es eigentlich auch nur von der schönen Revolution ab!;-)
Ich werde mal abwarten müssen, was meine Beta-Leser davon halten...

Apropos Lesen, da war ja noch Frage 3. Ich versuchte am Wochenende in The Knife of Never Letting Go reinzulesen, weil es mir wegen Plot und Layout sehr ans Herz gelegt wurde. Die Grundidee finde ich auch ziemlich großartig (das Layout auch, aber das ist so mein eigenes Ding;-), aber worauf ich nicht vorbereitet war, war leider die Erzählsprache.
Der Erzähler ist ein pubertierender, ungebildeter Junge und genauso schreibt der Autor daher auch. Ich will jetzt gar nicht davon anfangen wie sehr die fehlende Rechtschreibung mir Fingernägel-auf-Schiefertafel-Magenschmerzen gemacht hat, sondern mal versuchen zu erklären, warum ich das Buch nicht weiterlesen wollte:
Zuerst mal: Ich kann total verstehen wie man auf die Idee gekommen ist. Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist geprägt vom völligen Verlust von Wissen, Bildung ist verboten und die Bücher haben sie alle verbrannt. Hmm ok, woher sollte dann also ein 12jähriger gradeaussprechen und schreiben gelernt haben?
Aber: Wenn das wirklich so ist, wie käme man überhaupt auf die Idee irgendwas aufschreiben zu wollen? Und wenn die Ich-Erzähler-Perspektive keinen "geschriebenen Bericht" darstellen soll, sondern eine mündliche oder gedankliche Jetzt-Zeit-Erzählung, warum dann die falsche Rechtschreibung...? Denkt man tatsächlich in falscher Rechtschreibung? Soll das ein Akzent sein? Hat sich Sprache so sehr verändert und falls ja, warum?
Vielleicht hätten sich diese Fragen noch geklärt, aber unter dem Strich fand ich die seltsame Grammatik und die teilweise fast schon unverständlichen "Ich schreibe das so wie man es spricht" Ausdrücke machen das Lesen unnötig anstrengend und ich hatte schnell keine Lust mehr mich da durchzuwühlen.

Für mich hatte das allerdings den heilenden Effekt, dass ich mir jetzt weniger Sorgen mache, dass alle meine personalen Erzähler denselben Stil haben, auch wenn es "logischer" wäre, dass jede Perspektive ihre eigenen Charakterzüge hat. Manchmal muss scheinbar inhaltliche Logik hinter der Lesbarkeit zurückstehen und ich hoffe einfach mal, dass nich nur ich das so sehe...

Soviel erstmal zu ein paar unsortierten, halbausgegorenen Gedanken vom Wochenende, demnächst dann wieder ein bißchen was Brauchbareres!;-)

Kommentare:

tine hat gesagt…

Ich hab grad mal in die Leseprobe auf amazon reingeguckt und ich finds gar nicht so schlimm, von der Schreibe her, und die Story soweit spannend.
Also falls du jemanden brauchst, an den du das Buch weiterverschenken kannst... *auf sich selbst deut* :)

Ela Sonntag hat gesagt…

Ist leider nur ausgeliehen, aber ich mach mir eine Notiz!;-)

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