09.09.2013

Hänsel&Gretel vs. Conan. Oder: 2x Blut und Eingeweide!;-)

Ja, man darf sich schon ein wenig über dieses Double-Feature wundern, aber zu meiner Verteidigung:
Eigentlich hatten wir als zweiten Film Abraham Lincoln - Vampire Hunter angedacht und das hätte doch dann gleich wieder vorzüglich zusammen gepasst, oder?;-)
Den Zylinder-Vampirjäger gab es aber leider nicht in der Videothek unseres Vertrauens, also konnte ich meiner milden Neugier nach der Conan Neufassung im TV-Abendprogramm (ich hasse Werbung!) nachgehen. Blood&Sourcery Sunday ist ja auch ein gern gesehenes BBC Feature, das kann man ruhig mal in Deutschland einführen.;-)

Zugegeben beide Filme sind nichts für Freunde des anspruchsvollen Melodrams *not me* und/oder Menschen, die mit fiktiver Gewalt ein gesteigertes Problem haben *not me again;-)*, denn hier geht es ordentlich in die Kübel Kunstblut mit Schleim und Eingeweiden. Bei den Grimm-Geschwistern hat das teilweise schon wieder den Tarantino-Effekt - so überzogen, dass es schon wieder lustig ist - aber spätestens beim Arnie-Nachfolger-Conan ist das dann wieder eher humorlos routiniert und folgt eher der traditionellen 1Held=200Schergen Rechnung.

Und nun kommen wir mal zu dem Punkt, über den ich mir seit gestern Gedanken mache: Wie mache ich jetzt plausibel, dass ich Hänsel&Gretel mochte und Conan für mich irgendwie nicht so dolle war? Genauso komme ich ja immer in Bedrängnis, wenn es darum geht, dass ich Crah-Boom-Filme mag, aber zum Beispiel Fantastic 4 lahm und Transformers schon fast schermzhaft schlecht fand (der Erste hat ja noch 1,5Punkte gekriegt, aber alles, was danach kam, verschweigt man besser....).

Ich habe mir das lange im Kopf herumgehen lassen und möchte meine Verteidigung - sofern man denn Geschmacksurteile verteidigen kann;-) - auf zwei Säulen aufbauen: Charaktere und Liebe zum Detail.
Man sagt mir ja gerne und oft, dass ich nicht immer mit meiner "Geschichtenerzähler-Sicht" an alles herangehen soll, aber da man Dinge nicht ent-wissen kann, geht das wohl schlecht.
Und das ist genau der Grund, warum mir Filme, die einfach nur zum Blockbuster zusammengeschmissen und mit ein paar semi-talentierten Schauspielern bestückt werden, so furchtbar auf die Nerven gehen! Eine Geschichte muss nicht tiefsinnig sein, aber sie sollte gut erzählt werden und ich muss das Gefühl bekommen, dass es den "Machern" irgendwie am Herzen lag, das beste aus ihren Figuren und Plotlines herauszuholen. Das schafft man nicht mit ein paar klischeehaften Personenkonstellationen und ganz sicher nicht mit Dialogen und Humor aus der Mottenkiste - 13jährige mögen Hodenwitze lustig finden, ich nur selten und sicherlich nicht in einem Michael Bay Film.^^

Man kann natürlich argumentieren, dass Conan wohl kaum etwas dafür kann, weil schon der Originalfilm kaum über das Dreckiger-3-Wort-Held rettet Semi-Nutzlose-Halbnackte-Frau Schema herauskommt. Andererseits: Warum dann einen neuen Film draus machen, wenn man nichts Neues erzählen will? Weil es sich immer noch gut verkauft? Sorry, aber das fällt für mich weder unter "Liebe zum Detail" noch unter "das Bestmögliche rausholen".;-)

Bei Hänsel&Gretel andererseits war ich überrascht wie wenig dumm ich den Film fand - und ich war durchaus bereit das ein oder andere Grad an Erwartung von vorneherein runterzuschrauben;-) - was mit Sicherheit damit zu tun hatte, dass man schnell das Gefühl bekommt: Das hier ist eine klassische "Wäre es nicht cool, wenn..." Idee und alle Beteiligten freuen sich wie Schneekönige, dass sie diesen völligen Fun-Film machen durften. (Eine Einschätzung, die ich mir in den Making-Off Interviews habe bestätigen lassen;-).
Die Charakterdynamik ist nicht über-kompliziert, aber funktioniert und sowohl beide Hauptrollen, wie auch die "Bösen Hauptrollen" sind mit Darstellern besetzt, die einen Film auch ohne großen Anspruch stemmen können! (Transformers hat das nicht!) Wer Supernatural oder Brothers Grimm mag/mochte, wird hier auf jeden Fall Spaß haben.

Und - noch überraschender - der Film versucht sich sogar an einer kleinen Moral: Am Ende haben wir gelernt, dass nicht alle Hexen böse sind, aber viele "aufrechte" Menschen gruseliger als die bösen Hexen.
Auch hier: Das ist kein Grundkurs Ethik, aber es wird unaufdringlich und sinnvoll in die Handlung eingebaut und lenkt nicht vom Fun-Faktor ab. Das will schon auch gekonnt sein!
Einen Punkt ziehe ich allerdings für Logiklöcher ab - die Idee, dass man von Hexenknusperhäuschen Diabetes bekommt, fand ich zu genial, um mich über den suboptimalen Einsatz in der Geschichte nicht zu ärgern...;-)

Zuletzt muss ich natürlich als Frau und Freund von Actionfilmen einen persönlichen goldenen Gummipunkt dafür vergeben, dass hier die Prügelanteile 50/50 zwischen den Geschlechtern aufgeteilt sind. Sowohl Gretel, als auch Red-Pheonix-Oberhexe (ich hätte gerne dieses fiese Lächeln!) sind wunderschöne Kick-Ass Charaktere. Hier gibt es keine nutzlosen, halbnackten Prinzessinnen zu retten und das ist auch gut so!;-)

Fazi also: Eine Neufassung, die man nicht braucht (wer altbackenen Fantasy-Film möchte, kann auch weiter bei Arnie bleiben) und ein Splatterfilm, der besser war als gedacht. Heißt übersetzt 1 von 5 Barbarenschwerter gegen 4 von 5 Lebkuchenhäuschen.;-)

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