20.06.2015

Listening to: Bloody Mary

Es gibt manch Autoren, deren Stil man nicht immer so ganz gutheißen mag, aber deren "durchschnittliche" Qualität immer noch besser ist, als vieles Andere, das man so lesen muss und so kommt man immer wieder auf sie zurück.

Carolly Erickson ist so ein Beispiel für mich - wenn auch aus dem Non-Fiction Bereich. Denn auch wenn ich ihrem selbst-attestierten "ich denke mir nie irgendwas dazu aus, das ist alles aus den Quellen ersichtlich" nicht wirklich zustimmen kann (auch Küchenpsychologische Einschübe, wie "Was wird sie sich hier wohl gedacht haben?!?", sind ausgedacht, liebe Carolly;-), kann ich ihr nicht absprechen, dass sie im Großen und Ganzen interessant schreibt, vernünftig recherchiert und - das möchte ich besonders hervorheben - in der Lage ist den "berühmten" historischen Figuren, mit denen sie sich beschäftigt, andere Seite abzugewinnen, als die Archetypen zu denen sie oft in Retrospektive geworden sind.

Ich wär mir ihrer Anne Boleyn ein wenig unglücklich, Queen Victoria fand ich großartig und Josephine deprimierend, aber einnehmend. Und man sollte es kaum glauben, eigentlich ist ausgerechnet Bloody Mary die bisher symphatischste Figur, die sie entwirft. Nicht fehlerlos, aber auch nicht das Ur-Böse, das der Titel vermuten lässt.


Ich finde, die Wiederentdeckung von Menschen und Geschichten hinter dieser ganzen historischen und religiösen Propaganda - siehe Isabella of France - ist eine der spanenderen Aufgaben des Historikertums (obwohl das vermutlich nur die Meinung einer Geschichtenerzählerin ist, die mit historischer Wissenschaft glücklicherweise nicht ihr Brot verdienen muss;-). Bloody Mary von Carolly Erickson, gelesen von Corrie James ist daher mit Sicherheit ein Buch, das man gelesen/gehört haben sollte, wenn man ein "Tudor-Ding" hat.

Ich werde mir wohl auch noch die beiden fehlenden "großen Tudor Biographien" ihrer Reihe - Great Harry und The first Elisabeth - zulegen. Mit dieser Art von "da steckte ja ein tatsächlich gar nicht mal so furchtbarer Mensch dahinter" Re-Vision könnte ich sogar dazu kommen mir Mary Stuart nochmal anzusehen - und mir die sympathisch zu machen, da muss schon einiges passieren.;-)

Vorerst vergebe ich aber mal überzeugte 4,5 von 5 (leichen Abzug gibt es für die etwas zähen "Jugendjahre" - weniger Quellen, mehr Spekulation;-) Rosenkränzen.

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