18.02.2015

My Phoneless Me (Wochengedanke I)

Ich habe jetzt lange genug an Ideen zum neuen "Jahresprojekt" rumgenuckelt, es wird Zeit sich mal für eines zu entscheiden und ich habe beschlossen, dass es diesmal ein "Blog-Projekt" wird.
Ich bin ja ein Freund kleiner Blog-Spielchen, vom Freitags-Füller bis zur Montagsfrage oder sinnlosen Fragebögen, aber die  "Wochengedanke" Idee ist eigentlich weniger ein Zeitvertreib, sondern eher eine Möglichkeit die kleinen alltäglichen Annekdoten mal einzufangen, für die man sonst nie einen Blogpost anfängt, obwohl das eventuell interessant sein könnte. Man könnte jetzt einwenden, dass ein Twitter-Account sowas auch könnte, aber ich versuche meine Online-Zeit zu beschränken (dazu gleich mehr;-) und irgendwie scheint mir ein weiterer Online-Account dabei kontraproduktiv...;-)

Hier also eine kleine Geschichte aus der letzten Woche - Disclaimer: Diese Annekdötchen sind kurz zusammengebastelt und sollen/können keine erschöpfende Darstellung von irgendwas sein! Anregungen, Kritik und eigene Erfahrungen gerne in die Kommentare.:-)

Ich hatte in der Woche vor meinem Urlaub einen Termin mit meinem Chef wahrzunehmen und war daher eine Zeit nicht im Büro. Der Termin betraf mich in keinster Weise, ich war nur als Übersetzer unterwegs, und daher hatte ich meine Tasche im Büro gelassen. Folgender Austausch ergab sich bei unserer Rückkehr:
- "Oh no, you forgot your phone!" (lag am Strom auf meinem Schreibtisch)
- "No worries, I did not forget it, I left it."
- "But then noone can call you?"
- "Ähm...so?"
- "Oh..."
Ich kann leider den völlig verständnislosen Gesichtsausdruck nicht wiedergeben, aber ich denke man sieht worauf ich hinaus will? ;-)

Der Punkt ist, bis zu diesem Zeitpunkt wäre es mir NIE im Leben eingefallen, dass es irgendwie...problematisch sein könnte mein Telefon nicht zu jeder Tageszeit mit mir zu führen. Vielleicht liegt es daran, dass ich keine Notfall-Anrufe erwarten muss - kein Kindergarten, der mich braucht, kein Pflegeheim, das irgendwas dringend von mir wissen muss - oder daran, dass alle meine Kollegen wußten wo ich war und meine Familie und Freunde wissen, dass ich tagsüber arbeite und eh nicht erreichbar bin.

Aber vielleicht ist es auch eine (wenn auch in dem Moment unterbewußte) Grenzziehung. Ich sprach gerade auf Thomas Blog darüber - ich bin ein chronischer Multi-Tasker. Mein Hirn ist immer (wirklich immer) mit irgendeiner Idee oder irgendeinem Plan beschäftigt, der sich in dem Dreieck aus Müssen, Sollen und Wollen bewegt. Das führt dazu, dass ich mit kleinen inneren Zensortypen darüber verhandeln muss, ob wirklich einen ganzen Nachmittag "nur" ein Buch lesen oder einen ganzen Abend wirklich "nur" irgendeine Serie ansehen tatsächlich erlaubt sein kann, weil man eigentlich ja noch mindestens 3 andere Dinge machen könnte, wenn man wöllte.
Das Problem ist, das diese Idee der "Ausfüllung von Lebenszeit bis zum produktiven Maximum" mich schonmal fast in die Klapse gebracht hat, weil das Dreieck irgendwann nur noch aus Müssen (unvermeidlich) und Sollen (echte oder eingebildete Ansprüche einer inneren und äußeren Umwelt) bestand und das Wollen völlig ausgeblendet war. Und da hilft es dann irgendwann auch nicht mehr, dass man die Dinge, die man muss oder soll vielleicht eigentlich sogar gerne tut - sobald es zu einem "du solltest wirklich noch XY" wird, nimmt der Spaß an so ziemlich allem rapide ab.

Ich habe daher lange daran gebarbeitet mir eine neue Definition von Zeitverschwendung anzutrainieren, die darauf ausgerichtet ist das Sollen zu eliminieren, wenn denn die Zeit nicht für alles reicht (und das tut sie doch nie;-). Mein großer Aha-Moment war in dem Zusammenhang einfach festzustellen, dass wir alle irgendwie, irgendwann funktionieren müssen, aber den ganzen wunderbaren Rest der Zeit können wir mit Dingen füllen, die wir wirklich tun wollen - und wenn das Schlafen ist, obwohl "man" eigentlich aufräumen, Gewichte stemmen oder das nächste Paradise Lost schreiben sollte, dann ist das eben so!
Lebenszeit ist begrenzt und das Gefühl von "nicht genug" kann ganz schön beängstigend sein, aber andererseits kaufen wir doch irgendwie alle den Slogan "Qualität schlägt Quantität", oder?
Was bringt es mir also, wenn ich beim Fernsehen noch die letzten 10 Push-Ups mache, wenn ich dabei weder den Film richtig mitbekomme, noch genug Konzentration für mein Workout habe? ;-)

Und was hat das jetzt mit meinem Telefon zu tun?
Eigentlich alles - Telefone mit Internet-Anschluss sind die höchste Form des Multi-Taskings, die ich kenne. Wenn man ständig jeden erreichen und jederzeit alles im Internet herausfinden könnte, müsste man das dann nicht tun?
Ich bin dafür, dass man das nicht muss. Wenn das Internet brauche, brauche ich es, wenn ich erreichbar sein muss, bin ich es, aber zu allen anderen Zeiten, kann das Ding auch schonmal auf mich warten.
Vielleicht nenne ich es den Anti-Multitasking-Zen! ;-)

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