2015-01-16

The Magicians

Ich bin ein furchtbar langsamer Leser momentan - was man auch an der Seitenleiste absehen kann, die Skandinavische Geschichte hatte ich eigentlich auf dem Kreuzfahrtschiff lesen wollen, aber dann kam mir das doch irgendwie prätentiös vor und nun lag das Buch auch nur ein halbes Jahr im Schrank (und ich hab' dann Machiavelli auf dem Sonnendeck gelesen, über diese Logik muss ich nochmal nachdenken....;-).

Aber nach mehreren Anläufen habe ich dann doch noch "geschafft" The Magicians auszulesen - das an sich weist schon darauf hin, dass das nicht so einfach war, aber ich hatte tatsächlich einen Grund es bis zur letzten Seite zu lesen, der besser war als "jetzt hab' ich's einmal angefangen" (jeder, der mich kennt, wird wissen, dass ich keine Hemmungen habe Bücher wieder wegzulegen;-).

Aber mal von Anfang an, worum geht es denn in The Magicians von Lev Grossman?


Einen wirklichen Klappentext zu finden, der diese Frage in Ansätzen beantworten würde, ist gar nicht so einfach, man geht ja inzwischen dazu über die Back-Cover lieber mit Presse- und Review Stimmen vollzukleistern, als mir einfach zu sagen was denn der Inhalt des Buches ist und nicht nur die Meinung für mich irrelevanter Menschen (aber das ist ein Rant für ein anderes Mal;-), also versuche ich das mal anders:
Was ich denke, was sich der Autor gedacht haben könnte, als er dieses Buch konzipiert hat, war vielleicht irgendwas sowas wie "Was würde wirklich passieren, wenn ein grenzwertig depressiver und orientierungsloser Teenager rausfinden würde, dass er ein Magier ist und auf eine Magie-Eliteschule geschickt wird?".
Falls es aus dieser Art der Fragestellung nicht genügend deutlich wird: Das Ergebnis ist leicht anders, als bei Harry Potter, was übrigens als Pop-Culture Anspielung auch auftaucht.

Und damit wären wir gleich dabei warum ich das Buch zuende gelesen habe - ich liebe die Idee und ich habe absoluten Respekt vor der Kompromisslosigkeit des Autors.
Als Leser von Harry Potter und Narnia und Fan von konsequent erzählten Geschichten muss man hier einfach mal Hochachtung davor haben, wie The Magicians jedes einzelne Fantasy-Klischee unter eine sehr kalte Realitätsdusche stellt, bis wir einfach mal festhalten müssen, dass man bei fabulösen Abenteuern ganz schnell auch einfach mal tot sein kann, auch wenn man eine Hauptfigur ist und dass einem manchmal an riesigen Feuerdämonen als erstes ihr riesiges Gemächt auffällt.
Bei den Hunger Games gab es so eine ähnliche Konsequenz in der Erzählung und ich glaube dass viele Fans der Autorin ihre "Skrupellosigkeit" gegenüber liebgewonnen Hauptfiguren durchaus übel genommen haben - ich möchte mir gar nicht vorstellen, was der arme Druchschnitts-Fantasy-Fan durchmachen muss, wenn hier jede einzelne Konvention gebrochen wird. Vermutlich ein Grund warum viele Menschen dieses Buch furchtbar finden und gleichzeitig der Grund warum ich es mochte.

Aber - es kommt noch ein aber (wie immer;-). Ich fand es auch sehr anstrengend zu lesen und das hat teilweise damit zu tun, dass konsequent erzählte Figuren einem leider völlig auf die Nerven gehen können. Bei Katniss geht das ganz gut - sie nervt auch manchmal und ist oft nicht die Hellste, aber man kann sich irgendwo noch mit ihr solidarisieren - aber bei Quentin hört das wirklich auf. Depressive, quasi-allmächtige, gelangweilte Teenager ohne Ziel im Leben, aber dafür mit magischen Fähigkeiten - mir ist durchaus bewußt, dass es ziemlich wahrscheinlich ist, dass das in Drogen, Alkohol, personal drama und willkürlichem Sex endet, aber das macht mir die Leute nicht symphatischer.;-)
Der einzige halbwegs ertragbare Charackter stirbt dann auch noch und übrig bleiben eine Menge Typen, mit denen ich wirklich nicht befreundet sein müssen wöllte und ein paar, die mir egal sind....hm!

Ich gebe dem Buch mal 4 von 5 Gänsefedern für Punkt 1, aber Punkt 2 bedingt (leider), dass ich nicht wirklich das Bedürfnis habe das Buch nochmal zu lesen, oder die Nachfolgebücher (zumindest in naher bis mittlerer Zukunft) anzufassen. Schade eigentlich nur ein einziger netter Mensch hätte mir die Geschichte vielleicht gerettet, aber konsequent erzählt ist halt nicht für jeden, das liegt im Prinzip der Sache...;-)

Kommentare:

tine hat gesagt…

*heiser flüster* Bei Game of Thrones sterben die Netten auch alle weg. *weinen geh*

Die Prämisse klingt tatsächlich interessant, aber wie baut der Autor da einen Plot draus? Ist das mehr so episodisch? Ich kann mir da grad irgendwie gar nix drunter vorstellen.

Ela Sonntag hat gesagt…

Naja, die erste Hälfte des Buches verbringen wir mit den Jahren auf der Zauberschule (merke auch hier, dass wir dafür 200 Seiten brauchen und keine 7 Bücher;-) und in der zweiten Hälfte finden wir heraus, dass es das Kinderbuch-Narnia der Welt wirklich gibt und wollen tolle Abenteuer erleben, was ganz schnell ziemlich schief geht.
Ist schon sehr episodisch, ich bin ganz froh, dass bisher nur drüber nachgedacht wird eine Serie draus zu machen, als Film wäre das total sprunghaft und merkwürdig...
Irgendwann komm ich vielleicht auch mal zu GoT, aber momentan ist meine Toleranzgrenze für Kill your Darlings erreicht! ;-)

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