2014-11-13

Ein Pro und Pro des Feedbacks (und Zwischenstände)

Eigentlich (müsste ich mal rausfinden, wie viele meiner Posts mit Eigentlich anfangen...;-) - wollte ich zwischendurch noch ein bißchen was über Zombie-Filme erzählen, aber irgendwie bin ich gedanklich grade woanders, nämlich bei der ersten Beta-Runde von Elysion, auf die ich mich zugegebenermaßen freue, wie ein halbgares Sojaschnitzel. Zudem habe ich meinem Chef auch noch eine Woche Urlaub abgeschwatzt, was bedeutet ich bin voll im Vorfreude Modus auf ganz viele Stunden am Schreibtisch...und da wundert man sich jetzt, dass Schreiberlinge schonmal merkwürdig rüberkommen...;-)

Weil mir das in einer Unterhaltung letztlich gerade so unterkam, wollte ich deswegen nochmal (schon wieder von mir aus) ein paar Worte zur Kunstform Feedback verlieren, weil ich immer wieder gerne mit neuen Testlesern arbeite und immer wieder die Frage mitschwingt wie man "das" denn sinnvoll anpackt. Ich weiß, ich habe dazu schon oft und gerne schwadroniert, aber eine kleine Zusammenfassung was es bringt und wie mans macht, gab es so noch nie.
Was uns zum Pro und Pro der Konstruktiven Kritik bringt. :-)

Aus Sicht der Leser:
Was bringt es?
Für jemanden, der nicht gerne liest vermutlich nicht so viel, das gebe ich zu - aber so jemand würde sich vermutlich auch nicht als Testleser anbieten? Jemand, der gerne Geschichten konsumiert, hat hier die einmalige Chance mal in ein "arbeitendes Werk" einzusteigen - was mir immer viel Spaß macht, weil man (ich) ganz anders über jeden Satz, jeden Dialog und jede Figur nachdenkt, wenn man Testliest. Wenn ich ein fertiges Buch lese, mag mir nicht alles gefallen, aber es ist eben alles fertig, undisskutierbar, ein großes Ganzes, das ich so annehmen kann oder auch nicht, aber das man so erstmal zu akzeptieren hat...auch wenn ich meistens trotzdem noch was zu Meckern finde, man kann sich diesen Röntgenblick nicht wieder abgewöhnen...;-)
Kurzum ich bilde mir gerne ein, dass ich als Testleser eines noch nicht fertigen Textes eine priviligierte Chance habe auf einen kreativen Prozess Einfluss zu nehmen. Das klingt jetzt irgendwie hochgestochener, als es sich anfühlt, aber es ist ja nicht so alltäglich, dass man Dinge, die einen an einem Buch stören direkt mit dem Autor disskutieren kann und diese Dinge dann eventuell sogar geändert werden, oder? Falls sie nicht geändert werden, muss man allerdings damit auch leben, dazu kommen wir gleich!:-)

Wie wird's gemacht?
Ich habe schon an verschiedenen Stellen darüber gesprochen wie gesagt, aber lasst uns nochmal kurz die KISS Version zusammenfassen, Wiederholung ist das halbe Lernen und so...;-)

1. Positiv Denken!
Prinzipiell ist eine "Alles Scheiße" Mentalität auch im echten Leben selten hilfreich, aber gerade bei der Kunst der konstruktiven Kritik ist sie schlicht und einfach ein Ausschlusskriterium!
Egal wie wenig mir eine Figur, eine Passage, ein Text gefällt, oder wie wenig ich davon verstehe, der Autor hat sich etwas dabei gedacht und diese Mühe allein ist es wert, dass man respektvoll mit dem Ergebnis umgeht, ob es mir persönlich nun gefällt oder nicht.
Ein bißchen Lob hier und da, wenn irgendwas tatsächlich positiv ins Auge sticht, ist außerdem auch ganz nett - es hilft dem Text im engeren Sinne nicht unbedingt weiter , aber es tut dem Leser nicht weh und dem Autoren schonmal gut (dazu gleich mehr;-).

2. Begründen!
Die allerwichtigste Frage, die sich ein Leser immer stellen sollte, ist: Wieso? Wieso alles! Wieso finde ich das gut oder doof, wieso tut Figur A hier das und nicht das, wieso ist das Haus grün und wieso ist der Himmel hier blau, wenn es 2 Sätze vorher noch geregnet hat?
Gut, das mit dem Himmel ist kein so gutes Beispiel, weil es einfach ein dummer Kontinuitätsfehler ist, aber niemand ist perfekt und es gibt dumme Kontinuitätsfehler in den erfolgreichsten Büchern, die scheinbar den Autoren, den Lektoren und den Testlesern durchgerutscht sind - also constant vigilance!;-)
Aber gerade für "Eindrücke" ist das Wieso entscheident - du kannst gerne etwas doof finden, aber das an sich ist keine Handlungsaufforderung und macht erstmal nichts besser. Wenn wir dazu kommen WIESO du etwas doof findest, dann wird irgendwann eventuell eine Verbesserung daraus!
Ohne Begründung kann man sich nur auf sein eigenes Bauchgefühl berufen - das ist ok, aber der Autor wird dann vermutlich die bemängelte Stelle einfach so lassen, denn was soll man auch sonst tun? Man kann nicht so schreiben, dass man 100% der Menschheit begeistert und ich finde man sollte es auch nicht versuchen, das geht am Ende nur nach hinten los!;-)
Beim Lob ist das übrigens genauso - auch wenn ich an irgendwas, das gefällt nichts mehr verändern muss, würde ich trotzdem gerne wissen woran es lag (auch wenn es hier weniger wichtig ist), damit man das eventuell ausbauen kann.

Aus Sicht des Autors:
Was bringt es?
So ungefähr alles! Vielleicht liegt es an mir, aber ich empfinde es immer so als wäre ein Text nicht wirklich "real" in gewissem Sinn, bevor er nicht eine Art Testlauf bestanden hat und ich sicher(er) sein kann, dass die überarbeitete Version jetzt erst einmal so stehen bleiben kann. Kennt ihr diese durchsichtigen Icons, die man manchmal auf dem Desktop hat, wenn eine Datei noch offen ist und die dann "solide" werden, wenn man sie abspeichert? So ungefähr!;-)
Außerdem stellt sich beim Schreiben eigentlich immer irgendwann die Sinnfrage ein - angefangen bei Funktioniert diese Figur, diese Metapher, diese Storyline überhaupt?  bis hin zu Hat das überhaupt eine Lebensberechtigung, gab es das nicht schon 1000 Mal und gibt es nicht schon genug Bücher auf der Welt? oder auch Die Sonne scheint. Warum mache ich das hier überhaupt?
(Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder Schreiberling sowas kennt und sich diese Liste ewig fortsetzen ließe...;-)
Positiv formuliertes (nicht (nur) positiv gemeintes!) Feedback ist da die beste Motivation und zwar deswegen, weil ich mich mit einer ganze fremdem Perspektive beschäftigen kann - seine eigenen Texte überarbeiten, ist manchmal echt Wandern im Wald, weil man vor lauter Bäumen nichts mehr sieht - und dafür muss diese Perspektive für mich nachvollziehbar sein (Begründungen) und mich motivieren an den Stellen nochmal nachzudenken (Positiv Denken).
Ich hatte vor etlichen Jahren mal einen "Streit" mit einer ehemaligen Freundin, die mir eine Kurzgeschichte "zum Drüberlesen" geschickt hatte und dann tödlich beleidigt war, als ich ihr meine Korrekturen geschickt habe - sie fand das respektlos und hatte eigentlich nur ein Daumen Hoch oder Daumen Runter gewollt (eigentlich denke ich wollte sie vor allem hören wie toll die Geschichte ist, aber da mag ich voreingenommen sein - ehemalig und so;-). Ich habe mir damals den Anschiss angehört und mich sogar entschuldigt, was mich heute immer noch ein wenig ärgert, denn eigentlich habe ich mich dafür entschuldigt, dass ich helfen wollte, obwohl sie einfach keine Hilfe wollte. Es ist völlig in Ordnung, wenn man sich von einem Projekt emotional so wenig distanzieren kann, dass man keine Kritik daran hören will - nur sollte man dann auch nicht danach fragen.;-)
Ein lapidares "Joh fand ich gut", oder so gar von mir aus ein total begeistertes "Joh fand ich super" ist jedenfalls NICHT Testlesen und auch nicht hilfreich und hat nichts mit der Kunst der konstruktiven Kritik zu tun.

Wie wird's gemacht?
Gehen wir aber mal davon aus, dass das mit dem respektvollen, begründeten Feedback geklappt hat, dann gibt es immer noch 2 Dinge, die man im Hinterkopf behalten muss.

1. Kritiker haben nicht immer Unrecht.
Wie wir gerade festgehalten haben, kommt man nicht an Kritik vorbei, will man wirklich etwas lernen und sich weiterentwickeln. Dazu gehört aber leider, dass man sich die Kritikpunkte genau anschaut und nicht sofort als persönlichen Angriff wertet. Das kommt öfter vor, als man denkt und machmal ist es auch einfach zum Haare raufen, wenn man feststellt, dass ein tolles Stilmittel, für das man Blut, Schweiß und Tränen vergossen hat, niemandem gefällt und die Geschichte völlig unverständlich macht. Loslassen ist schwer, aber manchmal ist negative Verbesserung der einzige Weg vorwärts!;-)

2. Kritiker haben nicht immer Recht.
Zu einer gesunden Reflektion über sich und seine Umwelt gehört auch genug Selbstbewusstsein, um nicht jede Kritik ungefiltert anzunehmen. Nicht jeder Leser muss den Text verstanden haben, egal wieviel Erfahrung er mitbringt und nicht jedes Stilmittel, dass den Geschmack des einenLesers nicht trifft, muss deswegen gleich schlecht sein. Zu den eigenen Entscheidungen stehen gehört zu 50% zum Beta-Korrekturprozess dazu. Trotzdem gillt natürlich auch hier respektvoll miteinander umzugehen - als Testleser habe ich mir sehr viel Mühe gemacht und das allein bedeutet schon, dass ich erwarten kann, dass meine Hinweise zumindest ernst genommen werden, auch wenn der Autor das letzte Wort hat - es ist schließlich sein Baby!

Und jetzt nochmal kurz der Einblick in das sich entwickelde Inhaltsverzeichnis, damit das nicht immer so aussieht, als würde außer Montagsfragen nichts passieren!;-)

Teil 1: Zu den Steinweisen
Prolog: Der rote Drache  (Beta-Phase)
1. Die Prüfung  (Beta-Phase)
2. Die Drei Geister  (Beta-Phase)
3. Zwichen den Fronten  (Beta-Phase)
4. Das Fest der Inoa  (Beta-Phase)
5. Licht und Schatten (fertig)
6. In Dunklheit (fertig)
7. Die Geister der Verstorbenen (zu 80% fertig)
8. Im Tempel (Idee)
9. Der Hohe Rat (Idee)
 
Teil 2: Der lange Weg
10. Die Geschichte vom Anfang (zu 70% fertig)
11. Das Ende einer Reise (zu 80% fertig)
12. Im Schatten des Feuers (fertig)
13. Licht und Schwert (Idee)
14. Durch die Berge (Idee)
15. Im Stein (Idee)
16. Das Hohe Medium (Idee)
17. In Gefangenschaft (Idee)
18. Krieg den Schatten (Idee)
Epilog: Bei Sonnenaufgang (Idee)

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