30.10.2014

Die Sache mit dem Gewissen und der Unterhose

Ich trage mich schon seit Tagen mit einem latent schlechten Gewissen und werde jetzt mal kurz versuchen zu erklären warum - aber vorsicht: It's complicated!;-)

Es begab sich, dass ich Montag zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder im Fitnessstudio meiner Wahl zum Training war. Um aber gleich mal von der falschen Fährte abzulenken: Das hier soll kein Post werden, in dem es um meine mangelnde Trainingsmotivation geht - ich war zwar lange nicht mehr im Studio, aber ich trainiere regelmäßig Zuhause und selbst wenn ich mal keine Lust habe, stürzt mich das nicht sofort in eine Sinnkrise. ;-)
Auf dem Stepper neben mir fand sich irgendwann eine junge Frau ein, deren Benutzung des Gerätes mir sehr merkwürdig vorkam - sie lag mit dem Oberkörper voll auf der Anzeige des Gerätes und es sah wirklich so aus, als würde sie versuchen einen Roadrunner Effekt mit ihrer Trittgeschwindigkeit hinzubekommen, außer das der Roadrunner nicht klingt wie eine Dampflok kurz vor der Explosion...
Ich wollte also nett sein und habe sie dann darauf hingewiesen, dass sie auch den Trittwiderstand erhöhen kann, um diese Übung anstrengender zu machen und bekam eine gemurmelte, aber sehr unfreundliche Antwort zurück, die wohl darauf hinauslief, ich sollte mich um meinen eigenen Kram kümmern.

Zuerst war ich ein wenig vor den Kopf gestoßen, aber eigentlich hatte sie Recht: Ich bin ein großer Fan der Unterhosen-Regel, deren Hauptbestandteil es ist, Menschen nich nach Äußerlichem Anschein zu beurteilen und keine ungebetenen Ratschläge zu erteilen - vielleicht hatte sie also nur einen echt miesen Tag und diese Roadrunner Nummer war ihr Weg runterzukommen und ihr war sehr wohl bewußt wie das Gerät funktioniert und sie war auf meine Besserwisser Anmerkung (so nett sie auch gemeint gewesen sein mag) ehrlich nicht angewiesen. I'm ok, you're ok, kein Problem!;-)

Jetzt kommen wir aber zum schwierigen Teil.
Während ich also meine Hanteln geschwungen habe, stand ich zufällig neben zwei Mädchen (junge Frauen von mir aus, aber das ist Definitionssache), bei denen ich mir sofort politisch unkorrekt dachte: "Das Modepüppchen und die dicke Freundin." Eigentlich war Freundin B nicht wirklich dick und selbst wenn macht es für die weitere Geschichte eigentlich keinen Unterschied, aber es erklärt vielleicht, warum mich die Situation so geärgert hat, denn ich war oft genug "die dicke Freundin" und werde im Fitnesstudio auch heute noch oft genug doof angekukt (inzwischen ist es mir nur egal, ich habe in meinem Leben schon mehr Fitness-Blogs und Konzepte recherchiert und probiert, als bestimmt 80% der Blöd-Glotzer und werde meine Lebenserwartung verlängern, auch wenn ich davon nicht dünn werde, ob es ihnen passt oder nicht!;-).
Aber zurück zur Geschichte:
Die beiden Mädels neben mir mühten sich (die eine mehr, die andere weniger) mit Liegestützen von den Knien - eine Übung, die ich selber seit Jahren in meinem Programm habe und an der ich auch nichts auszusetzen habe.
Während es allerdings offensichtlich war, dass Freundin A wußte, wie man diese Übung korrekt ausführt, war sie für Freundin B offensichtlich neu und ihre "Form" war gruselig - Körperschwerpunkt viel zu weit hinten, Hände zu weit vorn und 0 Spannung in der Körpermitte. (Wer es mal ausprobieren will, ein guter Liegestütz kommt zu 50% aus den Armen und zu 50% aus der Spannung im Arsch - see if I'm wrong!;-)
Unüberraschenderweise hatte Freundin B also arge Probleme mit der Übung - und leider war Freundin A auch offensichtlich nicht daran interessiert ihr zu erklären wie es richtig geht. Statt dessen durfte sich das arme Mädchen von ihrer "Freundin" solche Sprüche anhören, wie:
"Also wenn du nicht mal 10 schaffst, muss du dich halt mehr anstrengen, eigentlich muss man 15 pro Satz."
"Ist ja kein Wunder, ich trainiere ja schon viel länger als du."
"Also ich bin jetzt durch, bist du immer noch nicht fertig?"

Ich habe mir das 5 Minuten mit angesehen und gehört und innerlich muss ich gestehen, habe ich einige nicht sehr nette Dinge gedacht. Ohne Freundin A absprechen zu wollen, dass sie trainierter ist und das sicher auch mit Arbeit verbunden war, war ich kurz davor ihr mal zu erklären, wie man hilfreich ist, und wie nicht. Hilfreich wäre, jemandem, der noch nicht so trainiert ist zu zeigen wie es geht und ihm/ihr ein realistisches Anfangsziel zu setzen (45 Liegestütze hat sie also auch von Anfang an hintereinander abgerissen? My ass!...). Nicht hilfreich ist es jemanden, der neu ist und sich vermutlich eh schon von allen Seiten beobachtet fühlt, noch zusätzlich zu verunsichern und runterzuziehen, nur um sich selbst aufzuspielen!

Ich war kurz davor mal rüberzugehen und Freundin B diese Hilfe anzubieten, da es ihrer "Trainingspartnerin" offensichtlich wichtiger war zu demonstrieren wie viel toller sie ist - aber, ich habe das dann nicht getan und da sind wir bei meinem schlechten Gewissenund meiner Reiberei mit der Unterhosen-Regel angekommen.

Niemand darf ungefragt in meine Unterhose, also mische ich mich auch nicht ungebeten in die von anderen Leuten ein (außer bei solchen kleinen Ausrutschern wie oben, nobody's perfect...;-) - aber manchmal ist das echt schwer, denn bei aller Bewußtheit darüber, dass ich Freundin A eventuell total Unrecht tue, indem ich sie nur nach diesem 5 Min Ausschnitt beurteile, es ist manchmal wirklich schwer einige Menschen zu ertragen!!
Ich hoffe mal, dass Freundin B irgendwann auf den Trichter kommt, dass ihr das Training so nichts bringt und sich dadurch nicht vom Sport an sich vergruseln lässt.

So und jetzt musstet ihr dieses ganze Geschwurbel lesen, aber mir geht es ein bißchen besser - ich habe nie behauptet das wäre keine egoistische Übung!;-)

1 Kommentar:

tine hat gesagt…

Ohje :)))

Aber meinst du nicht, dass es nen Unterschied macht, ob man einen freundlichen Ein-Satz-Hinweis raushaut, wie etwas einfacher bewerkstelligt werden kann, und sich dann trollt, oder ob man jemandem lang und breit herbetet was und warum er falsch macht und warum man selbst das besser weiß und blahblahblah?

Ich denke, es gibt Abstufungen; solange die konkrete, rein situationsbezogene Information im Vordergrund steht, würde ich persönlich es nicht als Einmischung sehen, sondern als random act of kindness, wie das Türe-Aufhalten für jemanden mit vollen Händen.
Und wenn miesmuffelig reagiert wird, ist das halt so.

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