21.09.2014

Hunger Games: Bücher und Hörbuch

So jetzt habe ich es auch endlich mal geschafft die letzten Bücher vom "Weihnachts-Stapel" zu lesen - irgendwie dauert das jedes Jahr länger, aber zu meiner Verteidigung, es kamen ja auch zwischendruch immer mal wieder neue Bücher dazwischen, die ausgeliehen oder adoptiert werden mussten!;-)

Außerdem habe ich ja vieles schon in der Rezi zu den beiden ersten Filmen gesagt und da der dritte von vier demnächst in die Kinos kommt, werde ich mal versuchen nicht so viel zu spoilern (ich muss mir bei meinem Mann immer schon auf die Zunge beißen, aber wir lesen die Bücher jetzt zusammen nochmal, daher wird das hoffentlich noch vor Erscheinung des letzten Films in 2015 besser werden;-).

Also Fakten auf den Tisch, was bleibt noch zu erzählen über die Hunger Games Triologie geschrieben von Suzanne Collins, die Hörbücher gesprochen von Carolyn McCormick?

Zum Einstieg mal kurz der Hinweis, warum ich die Hörbücher gleich mitbespreche: Da die Ich-Erzähler-Perspektive quasi perfekt für eine einzelne Erzählerin ist und Carolyn McCormick nichts falsch macht, braucht man sich da keine Sorgen zu machen - wem die Bücher gefallen, dem werden auch die Hörbücher gefallen, oder eben auch nicht.;-)
Es war allerdings tatsächlich mal ein lustiges Experiment, da beide (Bücher und Hörbücher) schon solange bei mir rumliegen, mal eine Multimedia-Erfahrung daraus zu machen: So nach dem Motto "Mist ich müsste mal die Wäsche machen, aber das Kapitel ist grade so spannend - macht ja nix, lass ich mir halt solange vorlesen, bis ich zu meinem Buch zurück kann." Wenn das die Zukunft der Belletristik ist, bin ich dabei!;-)

Was mir gut gefiel:
Die Perspektive
Ich habe es schonmal erwähnt, aber ich sage es gerne nochmal: Ich-Erzähler sind nicht unkompliziert und auch nicht "ungefährlich" und man kann damit sehr viel falsch machen. Da ist es doch schön, dass hier eine Autorin wirklich alles richtig macht - ich habe mir sehr viel Mühe gegeben und ich habe keinen Logik-Glitch gefunden, keine "out-of-character" Unfälle und auch keine "oh da wollte sie aber diese Beschreibung noch unbedingt reinzwängen" Ausrutscher. Katniss als Hauptfigur bleibt sehr sachlich und manchmal auch brutal kurz angebunden, mit diesem Stil muss man leben lernen -  da wird dann eine Action-Sequenz, die anderenorts vermutlich seitenweise Beschreibungen, Dialoge und Atmosphäre hätte schonmal zu "und dann passierte XY", aber es ist konsequent und damit in meiner persönlichen Checkliste ok. Man darf es nicht mögen, aber man kann nicht behaupten es wäre nicht handwerklich einwandfrei gemacht.;-)

Die Erzählzeit
Ich finde Präsens-Erzählungen persönlich großartig und schon deswegen freut es mich ungemein, dass es eine "Blockbuster" Serie im Präsens gibt, die endlich mal mit diesem verstaubten "Bücher schreibt man in der Vergangenheit"  Quatsch aufräumt. Ich musste allerdings sehr aufpassen, weil ich beim Schreiben selber immer ins Präsens abgerutscht bin, während ich die Bücher gelesen habe...;-) Aber es passt auch zu der erwähnten "Survival-Mode" Denkart und der konstanten Apannungslage der Bücher, dass das alles im wahrsten Sinne des Wortes präsenter ist als die "ist ja eh alles schon vorbei" Erzählform.

Die Idee
Hier muss ich nochmal sagen: Wer auch immer anführen will, dass "Brot und Spiele", Überwachungsstaat und Distopie keine neuen Erfindungen sind, der hat einfach nicht verstanden wie Erzählen funktioniert und eigentlich auch nicht wie Lesen funktioniert, denn wo sollen wir dann anfangen eine "genuin neue Idee" zu finden? Harry Potter war nicht der erste Zauberlehrling, Indiana Jones nicht der erste Schatzjäger und John McLain nicht der erste Typ im zerrissenen Unterhemd, also so what??;-)
Mir geht es bei einer Geschichte nicht allein darum wie toll und neu alles ist, sondern darum, ob die Figuren und die Hintergrundwelt stimmig sind, ob ich mit den Charakteren mitleiden kann und Identifikationspunkte finde. Und da muss ich einfach sagen: Ja, ja und ja. Passt fertig, aus!;-)

Was mir nicht so gut gefiel:
Das Pacing
Ja, es gibt immer irgendwas zu meckern und so auch hier: Es ist sicher ein ganz bestimmender Faktor sowohl des Erzählstils als auch der Handlung an sich, dass die Erzählgeschwindigkeit und -Dichte unheimlich hoch sind - man kommt wie die Figuren selbst kaum zum Luftholen quasi. Allerdings ist der, ich sage mal, "Konsequenzreichtum", sehr ungleich verteilt.  Im ersten Teil sind wir seeeehr lange in der Arena mit Überleben beschäftigt, während Charakterinsights Zuhause kaum noch stattfinden. In Teil 2 ist die Balance zwischen "Hintergrundstory", "Beziehungspflege" und "Überleben" so ziemlich 50/50, weswegen ich auch Catching Fire für das beste Buch halte. Und in Teil 3 überschlägt sich plötzlich alles und man hat das Gefühl, dass die traumatischsten, schwerwiegensten Entscheidungen nicht nur manchmal, sondern zusehends immer in "Und dann passierte das" gepackt werden - das wird schlimmer ja näher wir dem Ende kommen, weswegen ich irgendwann sogar mal mutmaßte, ob der Autorin da eine Deadline weggelaufen ist, wegen der sie sich plötzlich keine Zeit mehr nehmen wollte oder konnte...möglich, aber nicht wahrscheinlich, hoffe ich zumindest.;-)
Der Zeitsprung um 20 jahre im Epilog (ja ok, kleiner Spoiler, aber der Einzige!) stört mich außerdem - der Epilog ist zwar nicht mal annährend so grausam wie der von Harry Potter (aber das ist auch keine Leistung;-), aber auch seltsam versetzt, gerade in der Präsens-Erzählform. Im "Jetzt"-Erzählen das "Jetzt" einfach mal 20 Jahre nach vorne springen zu lassen, ist irgendwie...seltsam. Und das Kapitel an sich ist auch zu kurz, um diesen Eindruck wieder zu zerstreuen. Hier wäre ein "Homecoming" Kapitel ohne soviel Zeit dazwischen meine Wahl gewesen, aber meiner Wahl nach wäre das dritte Buch auch ungefährt doppelt so dick, also was weiß ich schon.;-)

Insgesamt aber eine Jugendbuchserie, die (meiner Meinung nach und im Gegensatz zu vielen anderen) ihren Hype verdient hat und daher gibt es solide durchschnittliche 4,5 von 5 Wespennestern!

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