29.05.2014

The Ghostwriter: Oder: Plot-Spoiler Deluxe

Ich sage es lieber gleich zu Anfang schonmal: Ich bin über The Ghostwriter durch Zufall gestolpert und ich habe ziemlich viel an ihm herumgemeckert - große Teile habe ich aber auch alleine mit dem Kater gekukt, den stört das zum Glück nicht, wenn ich mich laut über dumme Plots und Charaktere beschwere. ;-) Um vernünftig zu erklären was mich stört, wird es aber unumgänglich sein zu beschreiben was passiert, inklusive der Auflösung, die die dümmste ist, die ich seit langem gesehen habe... *sfz*
Wer also den Film noch nicht gesehen hat, aber noch sehen möchte - immerhin ist er von 2010, ihr hattet also schon Gelegenheit ;-) - der höre bitte HIER auf zu lesen.


Sehr gut. Nun da wir das geklärt haben, versuche ich mal Ordnung in meine Motz-Eindrücke zu bringen!;-)

Die Ausgangssituation
Hier wird es erstmal interessant - sonst hätte ich wohl auch wieder weggeschaltet;-) - denn wir sehen einen Autoren, der sich darauf spezialisiert hat die Memoiren berühmter Menschen zu schreiben, die nie unter seinem Namen veröffentlicht werden. Er dringt also tief in das Leben anderer ein, ohne das jemand jemals erfahren soll, dass er überhaupt existiert. Das an sich ist ja schonmal eine spannende Geschichte, die viele interessante Aspekte verspricht: Es geht beispielsweise darum welchen Fokus man auf eine "Auto"biographie legt - geht es darum die Leser emotional anzusprechen, geht es um Fakten, geht es darum die Geschichte im Nachhinein umzuschreiben, oder vielleicht alles gleichzeitig?

Das Problem
Gleich in der Ausgangssituation findet sich aber auch mein erstes Problem: Unsere Hauptfigur wird angeheuert ein schon zu Großteilen bestehendes Manuskript fertigzustellen, weil....der Typ, der das eigentlich tun sollte, ertrunken ist. Man "geht von Selbstmord aus". Kaum hat unser Hauptcharakter dem dann zugestimmt, wird er kurz mal auf der Straße überfallen und zusammengeschlagen. Ohh-keh. Spannungseskalation deluxe müsste man meinen, denn immerhin sind wir erst ca. 10 Minuten im Film. Aber denkste. Damit der weitere Plot funktioniert, ist es vital erforderlich, dass unsere Hauptfigur völlig unbeeindruckt von der sich aufbauenden Drohkulisse bleibt.
Ein Überfall auf der Straße, der vielleicht was damit zu tun hatte? Kein Problem, ich nehm den Job trotzdem. Komische Anschuldigungen ala Kriegsverbrechen gegen den Typen für den ich arbeite?  Kein Problem, mein Name steht ja nacher nicht auf dem Cover. Mysteriöse Hinweise, dass das mit dem Selbstmord seines Vorgängers wohl nicht so sein kann? Kein Problem, ich fahr trotzdem mit dem Fahrrad nachts alleine durch die Einöde, was soll schon passieren? Versteckte Hinweise in einem Umschlag? Hmm vielleicht konfrontiere ich einfach die Leute auf dem Foto direkt mit meinen halbausgegorenen Unterstellungen, was sollen die schon dagegen machen?
Sieht man irgendwie worauf ich hinaus will??

Dieser Film ist eine furchtbar frustrierende Angelegenheit für jeden, der schonmal einen Thriller gesehen, oder was das angeht eine Runde KULT gespielt hat. Ich war irgendwann soweit, dass ich Ewan McGregors Kopf gegen die Wand hauen wollte, oder vielleicht sowas brüllen, wie: "Du bist die Cola Light des Politthrillers! NICHT PARANOID GENUG!!!"...oder beides, for good measure!;-)
Aus Erzählersicht kann ich nachvollziehen, dass man eine Figur vielleicht ein wenig "naiv" anlegen will, um mal die default Einstellung von "normalen" Menschen - aka was soll schon passieren? - darzustellen, als Gegenstück zu den ganzen top tranierten, Profi-Agenten-Akademikern ala Dan Brown.
Aber das funktioniert NICHT mit dieser Eskalationsrate, das wirkt dann einfach nur noch ignorant und dämlich, statt idealistisch und "normal".^^

Die letzten 30Minuten
In den letzten 30 Minuten fällt unserem Haupthelden dann doch irgendwie auf, dass er sich vielleicht ein wenig weit aus dem Fenster gelehnt hat. Das wird ihm durch die stümperhafteste Autoverfolgung ever klar, aber vielleicht braucht man Super-Schwellige Bösewichte, wenn es jemand einfach so wirklich nicht rafft?
Also vertrauen wir uns per Telefon dem "Gegenspieler" unseres Arbeitgebers an. Den haben wir noch nie gesehen und wissen auch nicht welches Ziel er wirklich verfolgt, aber trotzdem lassen wir seinen finsteren Bodyguard in unser Hotelzimmer....hmmmm....Schläger mit Lederhandschuhen nachts vor meiner Tür? Die würde ich nicht reinlassen und ich werde (soweit mir bewußt ist;-) nicht von der CIA gejagdt. Aber gut, scheinbar hat unser Held nochmal Glück und er wird nicht umgebracht - wieder mal kein Umstand, den er seiner eigenen Cleverness zu verdanken hat.
Und nachdem wir uns mit dem Gegenspieler auf so eine Art Doppelagenten-Spiel geeinigt haben, geht irgendwie alles den Bach runter - plötzlich wird der Auftraggeber von irgendeinem Bekloppten erschossen und irgendwie ist dann auch alles egal...hmmm...das hat sich ja gelohnt die ganze Intriegenspinnerei.
Aber nein! Zu spät finden wir dann doch noch raus, dass die Ehefrau die Böse war - ein Twist, der dem Kater und mir spätestens ab dem Zeitpunkt klar war, in dem besagte Ehefrau ganz furchtbar entsetzt auf die halbgaren Verdächtigungen unseres Hauptcharakters reagiert hat (Marke: *schluchtz* Oh nein was hat er nur getan, ich habe solche Angst *schluchtz*), nur um unseren Ghostwriter eben mal flach zu legen...ich meine...argh...ich meine....echt jetzt??
Das ist die Super-Spionin, die 30 Jahre unbemerkt geblieben ist? Seriously? "Oh ich war ja so ahnungslos, aber mein Mann tut ja nichts, ohne mich zu fragen"... Ich nenne sie mal Widerspruchs-Woman und das ist nicht als Kompliment gemeint.^^

Worst Ideas and where to have them
Von dieser Bettgeschichte ist allerdings dann auch nicht mehr wirklich die Rede, Widerspruchs-Woman hat ja jetzt die trauernde Witwe zu spielen. Und dann sind wir bei den letzten 2 Minuten Film angekommen, haben rausgefunden, dass sie die Böse war und was tun wir?
Klar, wir lassen sie - und zwar AUSSCHLIEßLICH sie - wissen, dass wir ihr tolles Geheimnis kennen. Nicht die Presse, nicht den Gegenspieler, nicht die Behörden. Nein, das wäre ja irgendwie clever. Statt dessen machen wir ihr klar, dass wir sie auffligen lassen können, stürmen dann aus dem Saal voller potentieller Zeugen ALLEIN auf die Strasse und werden überfahren. Nur ganz zufällig natürlich, das schwarze, völlig auffällige Auto, das uns vorher schonmal verfolgt hatte, war bestimmt nur zufällig grade da und konnte noch auf 200kmh beschleunigen.

Da kann man nur sagen: Er ist gestorben, wie er gelebt hat. Als Volltrottel.

Man verzeihe mir diesen kleinen Rant, aber mich ärgert es ungemein, wenn so völlig überhaupt nicht durchdachte Plots und Figuren zusammengewürfelt werden - und das bringt dann auch noch Geld ohne Ende ein...*sfz*
Wenn man nichts Nettes zu sagen weiß, sagt man besser gar nichts, aber ich vergebe trotzdem mal noch 1,5 von 5 Strandhäusers für das geilste Bürosetting ever und die meist solide Schauspielleistung. Es ist ja nicht der Fehler der vielen talentierten Menschen in diesem Film, dass ihr Drehbuch besser Klopapier geworden wäre...

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