07.08.2013

Nachbarschaft ist tot?

Es ist ja eigentlich nicht meine Art irgendwelche Tiraden ins Internet zu blasen (keine Sorge, ich werde es auch jetzt nicht tun!;-), aber ich habe seit gestern einen interessante Erkenntnisprozess durchlaufen, den ich mal kurz ansprechen will.

Was war der Hintergrund?
Vor einigen Monaten hatten uns Nachbarn darauf hingewiesen, dass sie unser Katzenstreu vermehrt im Treppenhaus riechen könnten - das wäre vorher nicht der Fall gewesen, ob wir irgendetwas geändert hätten?
Zuerst konnte ich mir das nicht erklären - auch weil die Nachbar, mit dem ich gesprochen habe, sofort sagte, dass er in den restlichen 18Monten, die wir ja nun schon im Haus wohnen eigentlich nie etwas bemerkt hat. Nach einigem hin- und her-Überlegen kamen wir dann darauf, dass wir die Katzenstreumarke gewechselt hatten, weil wir zu einer unparfümierten (günstigeren) Sorte wechseln wollten. Gut, haben wir uns gedacht, dann halt wieder so wie vorher.
Einige Zeit später erreichte uns dann ein Brief unserer Hausverwaltung mit dem Hinweis "mehrere Nachbarn und Handwerker" hätten den strengen Geruch bemerkt. Naja, haben wir uns gedacht, wir haben zwar keine Handwerker gesehen, aber das Problem ist ja erledigt.

Dachten wir.

Nun bekamen wir gestern nochmal denselben Brief (copy&paste bis auf den letzten Absatz) mit dem Hinweis, es hätte wieder Klagen gegeben und wenn wir nun immer noch nicht reagieren würden, müsste man die Tier-Rettung einschalten.
Meine erste Reaktion war ehrlich gesagt lautes Gelächter, denn ich würde nur ungern die Zeit der Katzenhilfe verschwenden (nette, engagierte Leute, da haben wir schon mehrmals Findeltiere abgegeben), aber ich wäre doch interessiert die Reaktion zu sehen, wenn jemand, der eine Messie-Wohnung erwartet, plötzlich bei uns auf der Matte steht.^^
Lustigerweise sind ja 3/4 unserer Katzen aus suboptimalen Haltungsbedingungen zu uns gekommen und ich hatte grade noch vor 2Wochen einen Termin beim Tierarzt, der sich sehr erfreut über den einwandfreien Gesundheitszustand unserer Tiere äußerte. Und wir halten unsere Katzen ja auch erst seit 10 (Beschwerdefreien) Jahren und ich habe ja nur 30Jahre Erfahrung im Umgang mit Haustieren - da kann man schonmal die Tier-Rettung anrufen!;-)

Hat mich dieser Hinweis also geärgert? Zuerst dachte ich ja, denn es ist schon etwas unverschämt einfach davon auszugehen, dass man nichts unternimmt, nur weil man das nicht minutiös darlegt, OHNE sich selber mal vor Ort ein Bild zu machen - ich habe von dieser Verwaltungsfirma noch NIE jemanden im Haus gesehen, vielleicht wissen die gerade mal wie die Fassade aussieht.
Aber eigentlich stört mich etwas anderes: Wir sind sämtlichen Nachbarn vor und nach Eintreffen des ersten Briefes im Hausflur mehrmals über den Weg gelaufen - wäre es wirklich zuviel verlangt sowas mal persönlich anzusprechen, anstatt gleich die "offizielles Anschreiben" Keule zu schwingen?
Ich kann ja verstehen, wenn man Konflikten aus dem Weg gehen will, aber ein Zettel im Briefkasten hätte es ja auch getan?

Das zweite Anschreiben der Hausverwaltung enthielt außerdem den Hinweis, dass wir einen "unbeschrifteten Kanister mit Chemikalien" im Treppenhaus herumstehen lassen würden. Darauf konnten wir uns zuerst keinen Reim machen, aber tatsächlich steht ein klar bschrifteter Topf Holzlasur VOR unserem Keller-Kabuff, den wir eigentlich schon lange zum Werthof mitgenommen haben wollten, wären uns nicht diverse Krankenhausbesuche bei Verwandten dazwischen gekommen.

Das hat mich dann wirklich geärgert! Der Mensch von der Hausverwaltung mag das ja einfach so übernehmen, er kennt ja die eigentlichen Umstände nicht, aber wenn das tatsächlich irgendwie im Weg war, oder störte, warum kann man das nicht einfach sagen?
Ich gebe zu, ich hab' das Ding zwischendurch nicht mehr auf dem Schirm gehabt, sonst hätte man es ja IN den Keller räumen können, aber ist das wirklich das nachbarschaftliche Verhältnis, auf das es hinauslaufen muss?
Dass man lieber drei Wochen darauf wartet, dass wir auf ein offizielles Schreiben der Hausverwaltung reagieren, anstatt kurz zu klopfen und Bescheid zu sagen?

Ich bin immer noch überzeugt, dass man solche Briefe auch netter schreiben kann, aber ich bin eigentlich und tiefer gehend wirklich eher enttäuscht als wütend, dass man nebeneinander leben soll und sich dabei so wenig Mühe gibt auch nur den Anschein von aufrichtiger Kommunikation aufzubauen.
Wo soll das denn enden? Muss ich jetzt jedes Mal eine Strichliste führen , wenn ich nachts geweckt werde, weil irgendwo im Haus Kinder Lärm machen? Oder wenn jemand um 21Uhr abens noch bohren muss? Oder wenn die benutzen Windeln aus dem Keller hochstinken?
Will man so miteinander umgehen? Eigentlich nicht!

Wir haben jetzt mal freundlich und sachlich den Brief der Hausverwaltung beantwortet und hoffen, dass es nicht darauf hinauslaufen muss, dass wir die "Eigentümer-Karte" ziehem müssen, um darauf hinzuweisen, dass wir in unseren eigenen 4Wänden solange Haustiere halten dürfen, bis von amtlicher Seite "unzumutbare Haltungsbedingungen" attestiert werden.
Als produktiven Gegenvorschlag haben wir eingebracht die Abluftanlage vielleicht mal warten zu lassen, dann müssten wir in unserem Bad vielleicht auch nicht mehr jede Zigarette mitrauchen, die unseren Nachbarn verqualmen - ich gebe zu, das ist ein wenig "Was ihr könnt, kann ich auch", aber ich lasse mich doch als Haustierhalter nicht ohne Gegenwahr zum Feindbild ausrufen!
Dafür habe ich zuviel Erfahrungen aus der Richtung "Je mehr Menschen ich kennen lerne, desto mehr liebe ich meinen Hund"!;-)
Man darf gespannt sein...

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