05.02.2012

TV-Serendipity

Ich weiß, ich motze in letzter Zeit viel über das Fernsehen.
Ich bin zwar davon überzeugt, dass das völlig gerechtfertigt ist - wenn man wenig andere Optionen zur Beschäftigung hat, weil man eingemummelt, schlapp und konzentrationsunfähig in der Ecke liegt, fällt einem die völlige Sinnleere vielleicht erst richtig auf!;) - aber es muss ja einen Grund haben, dass wir trotzdem weiterhin durchaus mit Überzeugung Fernsehprogramm konsumieren.
Für mich besteht diese "Rechtfertigung" aus 2 Haupt-Punkten:
1. Manchmal will ich berieselt werden.
Auch wenn man sich dem HartzIV TV verweigert - als Hintergrundbeschallung DVDs kuken funktioniert für mich einfach nicht. Wenn ich wirklich einfach nur Berieselung und Entspannung möchte, dann ist es mir schon zu anstrengend mich entscheiden zu müssen was ich denn jetzt kuken möchte. Anschalten, 30Min Sitcom kuken, die gerade läuft, Ausschalten. Bewußtes Gehirnabschalten inklusive.;)
2. Ich liebe TV-Serendipity!
Menschen, die die TV-Kultur in ihrer Gänze ablehnen übersehen meiner Meinung nach eine wichtige Funktion des Doku-Fernsehns: Die ungebetene Information. Sicher, ich kann mir jede Doku, jede Information, die mich interessiert auch aus dem Internet besorgen. Aber Doku-Zapping präsentiert mir manchmal Informationen, von denen ich noch gar nicht wusste, dass sie mich interessieren, nach denen ich niemals aktiv gesucht hätte und trotzdem total spannend finde!

Hier ein paar Beispiele aus meinem Krankenlager Doku-Check:
Mittwoch 3Sat: Food Design. Essen mit allen Sinnen.
Reingeschaltet habe ich leider erst ziemlich zum Ende, aber trotzdem habe ich gleich mehrere interesannte Dinge gelernt, z.B. dass unsere Hörnchen heute immer noch dieselbe Mond-Form haben, wie die Opfergaben der Römer an Selene, dass Hefezöpfe irgendwann mal die germanischen Haarzopf-Opfer ersetzt haben, dass eine Torte völlig symetrisch ist, weil sie gerecht geteilt werden soll, während ein Brot ruhig oval sein kann, weil es Scheibenweise nach und nach gegessen wird, und und und. Hätte ich niemals aktiv nach gesucht, ist aber eine tolle Doku!

Samstag Vox: Shaolin Mönche und Tattoos.
Gleich 2 Dokus, die ich einigermaßen interessant fand. Zum einen ein deutscher Schüler, der nach China geht, um seinen Kung-Fu Traum zu leben und danach die Geschichte der Körperkunst. Natürlich wurden hier auch viele interessante Fakten verpackt, aber für mich interessant war vor allem der Denkanstoß.
Zum einen muss man Menschen, die so konsequent ein Lebensziel verfolgen und alles diesem Traum unterordnen bewundern - und meistens drängt sich mir auch die Frage auf, warum man selbst eigentlich nie so einen wichtigen Impuls gefunden hat, der das Leben zu 100% bestimmt - zum anderen frage ich mich gleichzeitig auch immer was diese Menschen dafür aufgegeben haben. Und ob es mir das wert wäre auf so viele Dinge zu verzichten (Freunde, Familie, Beziehung, Heimat), für eine große Begabung...Hätte ich ohne diese Doku vermutlich nicht so drüber nachgedacht!;)

Sonntag Vox: BBC Affen und Dinosaurier
Zwei typische "Was wäre wenn..." Dokus. In der einen untersucht ein Journalistenteam die neusten Erkenntnisse zur Intelligenz und "Kultur" von Primaten und stellt die Frage "Ab wann ist man denn eine Person?" Sprache, Kooperation, Mitgefühl, Lernen? Oder will man am Ende nur nicht von Tieren als Personen denken?
Danach wurde es für mein inneres Kind noch lustiger: "Was wäre wenn die Dinos nicht ausgestorben wären?"
Könnte man kleine Dinos als Haustiere halten? Würden einige Arten unsere Mülltonnen plündern? Könnte es einen Dino-Humanoiden geben? Und hätten sich die Affen überhaupt gegen die Echsen durgesetzt?
Ich hätte total gerne einen kleinen Dino als Haustier, aber ich glaube unsere Katzen fänden das doof...;)

Ich muss mich also ein wenig mit unzulässigen Verallgemeinerungen zurückhalten, was das Fernsehen angeht - es sind nur 80% sinnlos, die anderen 20% sind entweder wirklich interessant, oder zumindest als Hintergrundbeschallung zu gebrauchen!;)

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