2012-02-05

How To: Kusudama

Manchmal sind Übersetzungen nicht gerade hilfreich, wenn es darum geht eine romantische Verklärung aufrecht zu erhalten. Da stellt man plötzlich fest, dass das chinesische Schriftzeichen auf dem Knöchel der Freundin nicht "Stärke"; sondern "Schwimmbad" bedeutet, oder der tolle Name des Patenkindes im persischen ein tollwütiges Schaf beschreibt...
Nicht ganz so schlimm war meine Entzauberung beim Kusudama - meinem ersten, traditionellen Origami Projekt. Im Großen und Ganzen geht es hier darum Papierblumen zu einem runden Deko-Element zusammenzufassen. Ursprünglich hat man wohl echte Blumen benutzt und Räucherstäbchen dazwischen gesteckt, um Häuser und Tempel zu dekorieren. Man würde also erwarten, dass Kusu-Dama sowas bedeutet wie "Rauch-Blume" oder sogar noch poetischere Dinge...aber was heißt es wirklich? Medizin-Ball.
Wirklich. Ganz im Ernst.
Da kann man nur froh sein, dass das optische Ergebnis schöner ist, als das phonetische oder assoziative - meint, es sieht besser aus, als es klingt!;)

Schritt 1: Papier aussuchen
Vieles hängt beim Falten davon ab, dass man das richtige Papier verwendet - es gibt beschichtete und unbeschichtete, transparente und verstärkte, einseitig und beidseitig bunte. Für den Kusudama sollte man besser beidseitig buntes Papier nehmen - von dem ich aber nicht genug "vorrätig" hatte - die Flexibilität oder Dicke ist aber nicht entscheidend. Dann ist es eine Frage des Geschmacks: Man kann sich für völlig bunt entscheiden, oder einfarbig, mehrfarbig, gemustert oder Uni, wichtig ist nur: Kauft genug Papier! Man braucht ein Minimum von 36 Blättern und sollte ein wenig Ausschuss einplanen, so wie ein paar "Spares".

Schritt 2: How to?
Als nächstes sollte man lernen zu laufen bevor man rennt: Also erstmal lernen wie man 1 Blüte faltet, bevor man sich über das fertige Ergebnis sorgen macht.;)
Der Kusudama besteht aus 36 Einzelelementen, was eine wahre Fundgrube für jeden Numerologen sein sollte. 2-3-4-6-12 lauter Glückszahlen, die hier fröhlich kombiniert werden können. Wie bei den meisten Origami-Modellen kann man also hier das "Glücksbringer" Potential ausnutzen und gewisse Blüten mit "guten Wünschen" oder "Vorsätzen" zu beschriften (nur von Innen natürlich). Das kann man auch lassen, aber lernen sie zu falten muss man trotzdem.;)
Ich habe zwar die Projekt-Anleitung an sich aus Complete Origami übernommen, aber die Faltanleitung für die Blüte aus diesem kleinen Video (ich brauche immer ein Video, Faltanleitungen auf Papier sind mir zu kompliziert...;):


Schritt 3: Gedult...
Der nächste Schritt zum Kusudama ist der typische "Hobby-Faktor". Ich weiß nicht, ob es euch schon aufgefallen ist, aber jedes Hobby hat mindestens einen Aspekt, bei dem 80% des Umfelds sagen "Oh mann, daran würde ich bekloppt werden!". Stundenlang in der Küche kleine Pralienchen verzieren, auf einem nassen Trainingsplatz rumlaufen, Perlen an ein Kleid nähen,Teppiche knüpfen, Tanzschritte üben...früher oder später laufen die meisten Hobbies darauf hinaus stundenlang eine Übung zu wiederholen. Beim Origami ist das nicht anders, als müssen im nächsten Arbeitsschritt 36 Einzelblüten nach genau demselben Schema produziert werden. Ich denke wenn man das richtig macht kan pures Zen dabei herauskommen!;)

Schritt 4: Einzelteile
Ein Medizinball, besteht in diesem Muster meist aus 4 Schichten plus Anfang's und Schluss-"Stein". Nachdem wir also eine farbliche Vorauswahl getroffen haben werden diese Schichten folgendermaßen zusammengenäht: 6 - 11 - 11 - 6.
Die Nähnadel sollte möglichst dünn sein, um das Papier nicht einreißen zu lassen. Als Faden habe ich hier doppelt gelegtes Nähgarn verwendet, was ich aber nicht empehlen kann - zu fiddelig. Ein feiner Wollfaden wäre wohl besser (und auch besser zu sehen;). Seid vorsichtig mit dem zuziehen der Knoten, die Blüten brauchen noch 2-3mm Bewegungsfreiheit!

Schritt 5: Zwiebelschichten!
Um nun aus vielen Schichten einen Ball zu machen, brauchen wir zuerst mal einen gaaaanz langen Faden, den wir am Anfangsstein befestigen - den Faden doppelt legen, durch die Basis der Blüte ziehen, bis eine kleine Schlaufe entsteht, die Nadel zurück durch die Schlaufe fädeln und einfach erstmal hängen lassen. Vermutlich könnte man bei diesem Arbeitsschritt einen Assistenten gebrauchen, den Anfangsstein auf einem Tisch aufliegen lassen, geht aber auch - im Hängen lässt sich nur die Form besser sehen.
Mit der Nadel führen wir den zentralen Faden durch die Mitte unserer Schichten-Ringe (6-11-11-6), was schnell dazu führen sollte, dass wir eine runde Form erreichen.

Schritt 6: Fluffig hält am besten
Wenn alle Schichten aufgefädelt sind, lassen wir den Ball wieder hängen und "fluffen" ggf. die Blüten ein wenig nach, so dass sie sich gleichmäßig und rund verteilen. Dann den Endstein von oben einsetzen (ein wenig Klebstoff am Rand kann nicht schaden) und fertig ist der Blumen Medizinball!

Diese Form ist ein "Stachel-Kusudama" (eigene Wortschöpfung;), man kann die Stacheln aber auch in die Blüten einfalten (was bei Papieren mit 2 verschieden-gemusterten Seiten wohl am hübschesten aussieht), damit ein "glatter" Kusudama entsteht. Insgesamt ein sehr hübsches Deko-Objekt und eine nette Geschenk-Idee.

Mein erster "36-Farben"-Kusudama (kein Muster kommt doppelt vor!:) ist beispielsweise geplant als Glücksbringer für Prüfungen und Berufseinstieg. Die Vorsätze darf der Empfänger aber selber noch beisteuern!;)

1 Kommentar:

^Ela^ hat gesagt…

Nur um das noch nachzuliefern: Der bunte Stachel-Medizinball hat dann inzwischen auch sein neues Zuhause gefunden und würde "Origami-Knödel" getauft...
Naja, solange man nicht versucht ihn zu kochen!;D

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