28.12.2011

Das Kreuz mit dem Kreuz - Fitness Pro und Contra (vorsicht lang!)

Was lange währt wird ja bekanntlich endlich gut und so komme ich nach 1,5 Erkältungen und damit verbundenen Ausfällen in meinem schönen neuen Trainingsplan endlich mal dazu auch den Blogeintrag nachzuliefern - irgendwie ist meine Gesundheit in diesem Jahr gegen mich, aber ich hoffe dass wir uns jetzt über die Weihnachtsferien vielleicht wieder ein wenig zusammenraufen!;)

Wie immer bei solchen Posts weise ich nochmal darauf hin, dass ich zwar lange und ausführlich nachdenke, bevor ich irgendwelche Erkenntnisse ins Netz puste, aber trotzdem bleibt es gerade bei solchen Themen nicht aus, dass man nur aus einem sehr begrenzten Erfahrungshorizont sprechen kann und daher bitte alle Erkenntnisse nur als Hinweis und nicht als Ewige Weisheit zu verstehen sind (siehe auch das fehlede Label;)!
Ich hatte ja schon in meiner kleinen Ernährungs-Review darauf hingewiesen, dass Änderungen des Lebensstils in jeglicher Form immer aus mehreren Komponenten bestehen, oder zumindest bestehen sollten - es reicht einfach nicht sich am Jahresanfang mal vorzunehmen "ein bißchen gesünder zu leben", man muss sich auch in jeglicher Konsequenz darüber bewußt werden, was das an Veränderungen, kleinen und großen Kämpfen mit dem inneren Schweinehund und auch Rückschlägen mit sich bringen kann.
Insofern kann ich vielleicht dem großen Jahresabschluss-Post schon einmal vorgreifen und feststellen, dass 2011 in großen Teilen (es gab Ausnahmen:) ein total beschissenes Jahr war, das meinen guten Vorsätzen mit körperlichen, geistigen und seelischen Ausfallerscheinungen den Gar auszumachen versucht hat. Aber was uns nicht umbringt, macht uns ja bekanntlich hart und so geht es auch beim persönlichen Fitness Pro und Contra nicht darum den weltweiten Leistungsweltrekord aufzustellen, sondern sich einfach immer wieder aufzuraffen und heranzukämpfen!:)

So, nach diesen wunderschönen Worten zum Sonntag mal Butter bei die Fische - wie sieht sie denn nun aus die schöne neue Bewegungswelt?
Erstmal lohnt es sich ja vielleicht festzuhalten, dass die einzig wahre Wahrheit in Trainingsdingen genauso wenig zu finden ist, wie bei der Ernährungsfrage - fragt man dazu 5 Menschen werden immer mindestens 6 Meinungen dabei herumkommen. Bevor man also zu irgendeiner Form von Orientierung kommen kann, muss man sich die gröbstmögliche Auswahl an Trainingsformen vor Augen führen und eine generelle Vorauswahl treffen:
1. Fitness Zuhause
2. Fitness Draußen
3. Fitness im Verein oder im Fitnessstudio

Damit kommt man schon einmal ein Stück weiter, denn wie auch bei der Ernährung schon festgestellt: Es geht darum, was am bestens ins eigene Leben passt!
Für mich beispielsweise fallen sämtliche Vereine mit festen Trainingszeiten einfach raus - schon die Vorstellung irgendwo zu einer bestimmten Zeit hingehen zu "müssen" nimmt mir sämtliche Motivation. Mag eine seltsame Eigenheit von mir sein, aber wenn man das einmal erkannt hat, kann man damit arbeiten.;) Teamsportarten sind außerdem gar nicht mein Ding, ich will meine Ruhe haben beim Training. Lustige Hupfdohlenkurse im Fitnesstudio fallen damit eigentlich auch schon flach, aber die mag ich noch aus ganz anderen Gründen nicht - dazu später!;) Fitness draußen ist als Allergiker auch irgendwie dumm - ich hab's im letzten Sommer mal mit Jogging im Park probiert und möchte die Nahtoderfahrung dieses Experimentes ungern wiederholen.

Damit haben wir unseren Radius also schon mal um mindestens 50% eingegrenzt auf Fitnesstudio (ohne Hupfdohlen) und Zuhause. Von meinem Selbstversuch im Bereich TaiChi habe ich ja schon berichtet, aber das möchte ich aus dieser Überlegung eigentlich erstmal ausklammern - nicht weil es nicht auch anstrengend ist, sondern weil ich nicht TaiChi mache, um Sport zu treiben. Der Trainingseffekt ist dabei eher ein netter Nebenverdienst, den ich aus der Bewegten Mediation mitnehme - und hier soll es schließlich um Schweiß und Tränen gehen!;)

Eigentlich müsste man ja meinen zum Training im Fitnessstudio müsste man nicht mehr soviel sagen, immerhin haben laut Statistik 70% von uns sowas schonmal von Innen gesehen - was leider nicht verhindert dass nach meiner Beobachtung 85% der Menschen in meinem Studio völlig ineffektiv trainieren. Woher ich das weiß? Wenn man jemanden sieht, der sich jede Woche da abrackert und dabei über Monate kein sichtbares Trainingsergebnis erzielt, muss man doch annehmen, dass er/sie was Falsch macht, oder? Trotzdem, es geht um Pro und Contra, also konzentrieren wir uns mal darauf:

Was mir gefällt:
1. Routine
 Als Routine definieren wir Handlungsabläufe, die wir nicht mehr aktiv reflektieren müssen. So läuft das auch mit dem Training an Geräten - egal ob Gewichte stemmen oder im Cardio Bereich rumlaufen, man hat irgendwann eine Routine erreicht, die es dem inneren Schweinehund schwer macht noch aktiv einzugreifen, weil man sozusagen "die mentalen Hände frei hat", um über andere Dinge nachzudenken. Manche Menschen finden das völlig langweilig, aber ich empfinde die 1,5Stunden Geräteparkour mit meinem Hörbuch auf den Ohren als mental sehr entspannend - keiner nervt mich, keiner quatscht mich voll, ich habe einfach meine Ruhe und meine Muskeln arbeiten während dessen vor sich hin...eine Kopf-Körper Win-Win Situation!;)

2. Simpel und speziell
Muskeltraining im Studio ist a) fast selbsterklärend und b) zielgenau. Die neuen Geräte sind meist so konzipiert, das man bei der Benutzung kaum noch Fehler machen kann und auf jedem steht genau welche Muskelpartie ich jetzt damit trainiere - perfekt um persönlichen Schwachstellen wie Rücken oder Oberkörpermuskulartur auf die Sprünge zu helfen!

3. Der Socializing Aspekt
Ich weiß, das klingt jetzt ein wenig merkwürdig, wenn man vorher noch erzählt hat, dass man keine Hupfdohlen Kurse und Vereinstermine mag, aber es geht hier auch eher um die zwanglose Trainingsgemeinschaft. Ich komme selten auf die Idee alleine ins Studio zu gehen, denn zumindest für meine 10Minuten Auf- und Ab-wärmen habe ich dann doch gerne andere Gesellschaft als meinen iPod. Außerdem sollte man nicht unterschätzen, dass es der Motivation helfen kann, das Haus verlassen zu müssen!

Was mir nicht gefällt:
1. Der Gewöhnungseffekt
Wie so oft hat die Spezialisierung von Geräten im Studio nicht nur gute Seiten - was übrigens der Grund ist, warum sich soviele menschen über ihre ausbleibenden Trainingserfolge wundern, glaube ich...Fakt ist einfach, dass der Körper sich an Belastungen gewöhnt (Manche behaupten nach 3 Wochen, Manche nach 3 Monaten, aber irgendwann eben immer) und sich einer immer gleichbleibenden Belastung anpasst - heißt in der ersten Zeit mag ich mit meinem festen Geräteparkour Erfolge verzeichnen, aber sobald der Gewöhnungseffekt eintritt ist damit Schluss. Ich muss/sollte also dringend Übungen variieren, auch wenn das der schönen Routine entgegenwirkt, sonst setzt irgendwann der Frust ein.

2. Kaffeekränzchen-Clubs
Ein Phänomen von Fitnessstudios scheint es auch zu sein, das sie Menschen anziehen, die schon so stolz auf sich selbst sind, wenn sie es überhaupt geschafft haben aus dem Haus zu gehen, dass sie für den Rest des Trainings alle Anstrengungen aus dem Plan streichen. Und leider laden Geräte und Fitnesssstudio Cardiogeräte auch dazu ein.
15Minuten Fahrradfahren im Studio verbrennt bei lockerem Widerstand 50Kalorien - das ist nicht mal eine halbe Scheibe trockenes Brot. In einer Stunde habe ich also mit dieser Art von "Training" gerade mal 1/4 von meinem Frühstück abtrainiert, wenn ich Glück habe...
Von den Hassgefühlen, wenn solche Laberclubs dann stundenlang die Geräte blockieren, um ihre 5Kilo zu schubsen, will ich lieber mal ganz Schweigen.;) Wer am Ende des Trainings immer noch frisch wie der junge Frühling aussieht, muss sich nicht wundern, wenn sich keine Erfolge einstellen!

3. Zeitmangel
Mit Hin- und Rückweg, Umziehen und evt. noch duschen (Zuhause!;) ist man mal eben 2-3Stunden älter für 1,5Stunden Trainingszeit  - und dabei kommen die 50% Cardio, die man eigentlich so machen sollte schon zu kurz, solange brauche ich nur für meine Gewichte.;) Das sollte man nicht unterschätzen, wenn man noch ein Leben nebenher führen möchte.

Damit hätten wir das Studiotraining kurz abgefrühstückt und können zum Home-Workout übergehen. Inzwischen hat ja scheinbar jedes Model und jede Schauspielerin eine eigene Fitness-Homepage, mal ganz zu schweigen von den 95.000 Personal Trainern, die uns mit Tanz-Fitness, Power-Yoga, Body-Pump und anderem Schmuh zuballern. Das mag alles funktionieren und wem es gefällt, der möge sich seinen eigenen Guru selber aussuchen, aber was mich angeht: Ich hasse Fitness DVDs! Ich mag keine übermotivierten, überschminkten Perfect People, die mir irgendwelche Tschakka-Parolen um die Ohren schlagen, oder mich Whoopeemäßig anbrüllen! Ich will kein Training, dass sich "gar nicht wie eins anfühlt", ich will am Ende wissen was ich getan habe, meine masochistischen kleinen Kerne wollen wissen, dass sich jeder einzelne Muskel angestrengt hat!;)
Also: Für mich keine Trainer, keine Hupfdohlenkurse, kein Kontakthüpfen und auch kein Power-Yoga! (Yoga und Pilates und der ganze Kram sind mir eh zu "hip", das macht mich nur skeptisch...;)
Ich habe für mich deswegen die Alternative "Back to Basics" gewählt und trainiere Zuhause mit Bodyrock - das ist nicht nur kostenlos, sondern auch in Blogform mit Tutorial Videos, so dass ich den Tschakka Teil ignorieren kann!;)

Damit man sich einen Eindruck verschaffen kann, wie eine typische Trainingseinheit so aussieht, habe ich mal das Workout rausgesucht, mit dem ich wieder eingestiegen bin (ich hatte das letztes Jahr schonmal von einer Kollegin empfohlen bekommen, aber war dann nicht "dran" geblieben) - ich bin mit der Illusion daran gegangen, dass ich nach inzwischen 10Jahren mehr oder minder ununterbrochenem Fitnessstudio-Training nicht ganz unfit bin und ich bin beinahe eingegangen an diesem Ding - mir taten am nächsten Tag Muskeln weh, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie habe!;)

Was mir daran gefällt:
1. Keep it simple, stupid!
Im Gegensatz zu vielen anderen Home-Workout DVDs betreibt Bodyrock eine sehr moderate "Kaufen sie auch..." Politik. 99% der gezeigten Übungen lassen sich völlig ohne Equipment nur mit dem eigenen Körpergewicht ausführen und das gezeigte Equipment lässt sich auch meistens mit einfachen Haushaltsgegenständen ersetzen. (So dient mir mein Meditationskissen zwischendurch als Medizinball, eine Decke als Matte, und unsere alte 10Kg Hantel als Sandsack-Ersatz - nur die Dip-Station hab ich mir dann doch schenken lassen, das Teil ist super!;) Das schmeckt weniger nach Abzocke als immer neue tolle "ultimative" Sportgeräte, die meistens eh nur Training ohne Anstrengung versprechen und statt dessen Zeitverschwendung ohne Ergebnisse bieten.

2. Kurz und Knackig
Mit Auf und Ab-wärmen lassen sich die Interval-Workouts meist in 15-25Minuten durchziehen und außer bequemer Kleidung (da tuts dann auch schonmal das ausgeleierte T-Shirt und Shorts;) und Schuhen muss man nichts vorbereiten. Das spart nicht nur unheimlich viel Zeit, sondern schafft auch Motivation - immerhin muss man sich ja nur aufraffen, dann hat man es in 20Minuten auch schon wieder hinter sich!;)
Die Time-Challanges können auch schon mal 45-90Minuten lang sein, sollte man doch mal viel Zeit und Langeweile haben...was bei mir nie vorkommt!;)

3. Tod dem Gewöhnungseffekt!
Die eben erwähnte Glasdecke im Trainingsverlauf - also der Point of No Progress wenn man so will - gibt es hier eigentlich nicht. Die Übungen variiren oft genug und im Workout Archiv finden sich genug Übungen für 1000Kombinationen. Ob nun dadurch oder durch die hohe Intensität der Interval-Methode - Trainingserfolge stellen sich sehr viel schneller ein, als beim Gerätetraining und das obwohl man (oder ich;) manchmal auch bei 0 möglichen Wiederholungen anfangen muss. Und schneller Erfolg motiviert doch eigentlich immer, oder?;)

Was mir nicht gefällt:
1. Sex sells?
Es mag ein wenig kleinlich sein, aber ich habe mich in der ersten Zeit doch sehr an den Panty-Shot lastigen Darstellungen der TrainerInnen gestört...für mich fällt das zu sehr in die Perfect People Kategorie. Aber da ich die Tutorials ja nur 5-10Minuten alle 2 Tage anschaue (wenn sich bekannte Übungen wiederholen noch weniger), kann ich das besser ignorieren, als bei einem 90Minuten Kurs oder Video.;)

2. Selbstkontrolle empfohlen!
Der Nachteil jedes Home-Workouts besteht in der kopletten Selbstverantwortung die man damit übernimmt - Selbstkontrolle ist hier also zwingend notwendig, am besten mit einem großen Spiegel. Ich kann gut verstehen wenn diese Aufgabe als störend oder belastend empfunden wird, aber wenn man sich nicht an feste Zeitpläne halten will, bleibt nichts anderes übrig!;)

3. Anti-Community
Heutzutage kann man ja keine Website mehr führen ohne gleich einen riesigen Rattenschwanz an Facebook, Twitter und sonstigem Unsinn hinter sich herzuziehen. Ich empfehle also die "Community" hinter dieser Website gründlich zu ignorieren - theoretisch geht es draum sich zu unterstützen und eine "große, glückliche Familie" zu sein, aber praktisch benehmen sich die Meisten nur wie eine stinknormale Familie und streiten über völlig unwichtige Kleinigkeiten anstatt sich auf das eigentliche Thema der Seite zu konzentrieren....Menschen sind zum Abgewöhnen manchmal!;)

Wie man sieht habe auch ich es noch nicht geschafft die perfekte, Contra-lose Trainingsmethode zu finden, aber ich glaube in der Kombination kann schon was Gutes daraus werden - da sich Studio und Bodyrock belastungsmäßig zu 90% unterscheiden, kann man hier auch den Muskelkater vom jeweils anderen Training austrainieren (inzwischen geht man ja wieder davon aus, dass das funktioniert;). Mindestens 2 Ruhetage in der Woche (TaiChi gillt als Ruhe!;) muss ich aber meistens trotzdem einplanen - Selbstüberforderung hat noch niemanden fit gemacht!;)

Sooo das war jetzt erstmal eine komplette Bibel an Erkenntnissen, die hoffentlich nicht nur mir was bringen. Ich hoffe jetzt mal auf den Motivationsschub nach Silvester, denn meine 12-Tage-Trainingschallange steht und bisher sind erst 2 Tage davon rum!;)

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