2010-09-07

Mein Freund die Gender Studies

Ich weiss nicht, ob es gemeinhin auffällt, aber ich empfinde mich in meinem Selbstbild manchmal als wenig "typisch" weiblich - auch wenn ich mir der Ironie dieser Aussage bewußt bin, die glaube ich kein Mann jemals so reflektieren würde!;)
Trotzdem kann ich mit Launen und Zickereien, Gesprächen über Lippenstifte und Minderwertigkeitskomplexe und diesem ganzen weinerlichen, unreflektierten Kram, den leider viele auch prominente Frauen als "ich bin halt so" vor sich hertragen, nun wirklich nichts anfangen - ich sage nicht, dass die männlichen Klischees weniger unerfreulich sind, aber das ist nicht mein Krieg!;)

Daher hatte ich ja erwartet in meinem 2-Tage Blockseminar "Gender and Management" ein wenig Aussenseiter zu sein (Männerquote 1 zu 7;), was in gewissem Sinne auch so war, aber anders als erwartet. Statt die einzige Frau zu sein, die dafür ist, dass nicht immer alle auf ihre armen Gefühlchen Rücksicht nehmen sollen, war ich statt dessen die einzige Geisteswissenschaftlerin zwischen 7 MaschbauerInnen und musste mich gleich mal fragen lassen "Wenn du Geschichte machst, warum machst du dann ein Seminar zu Management?". Ich finde es prinzipiell ein wenig schade, dass man als Historiker in der Fremdwahrnehmung mit Studentenbetreuung, Mitarbeiterführung und Projektleitung scheinbar nichts zu tun hat, denn immerhin geht es ja auch um Kommunikation am Arbeitsplatz - und die brauchen wir nun mal alle, da kommt man gar nicht dran vorbei.;)


Für mich war der Kurs allerdings zugegebenermaßen eher ein Testballon für das Doktorantinnen Forum - das von der Seminarleiterin geführt wird - denn wenn es eine Lebensform gibt, über die ich noch mehr böse Vorurteile aufzählen könnte, als über "die Frau an sich", dann sind es Frauenbeauftragte...Ich weiss auch nicht, welche seltsamen Mechanismen da zum Ausdruck kommen, aber sobald das Label "Frauenbeauftragte" irgendwo klebt, entwickeln sich Menschen entweder zu einer glattgebügelten Alice Schwarzer, oder zum Liebe-Licht-Weichgespülten "All you need is self-love" Blumenkind. Beide Lebensformen machen mir Ausschlag, also war ich auf der Schlimmste vorbeireitet!;)

Aber manchmal kommt es eben doch nochmal anders, als man denkt und man hat am Ende von 2 Tagen Übungen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, Gehirnforschung und den ewig gleichen Diskkusionen über Work-Life-Balance und Rabenmutter vs. Luxusweibchen tatsächlich auch was gelernt!;)
So konnten wir unserem männlichen Teilnehmer erfolgreich beibringen, dass wann immer er von einer Frau Hilfe oder Unterstützung braucht, Kritik anbringen oder Vorschläge machen möchte - und auch in der anderen Situation;) - einfach die Anzahl der Worte, die er einem Mann gegenüber verwenden würde, mit 20 zu multiplizieren ist.
"Sag mal, du kennst dich doch mit X aus, kannst du mir da mal kurz helfen?" mag als völlig harmlose Bitte gemeint sein, kommt aber bei Frau an wie:
Ich erwarte, dass du mir jetzt hilfst und ob du dafür eine andere wichtige Arbeit unterbrechen musst, ist mir ziemlich egal. Mein Problem ist wichtig, deine Arbeit kann warten. Du bist ja die Expertin, also ist das deine Aufgabe mir meine Frage zu beantworten.
Kling komisch, ist aber oft so.
Richtig, liebe Männer, geht es so:
"Du, ich weiss, du hast grad viel zu tun, aber könntest du mir ganz kurz eine Frage zu X beantworten? Du kennst dich da besser aus und ich hab's total verpeilt dieses Problem rechtzeitig zu bedenken und inzwischen ist es leider ziemlich dringend. Hast auch was gut bei mir!"
Zugegeben das sind viel mehr Worte, aber kommt bei Frau an wie:
Ich will dir keinen Stress machen und erkenne an, dass mein Problem nicht deine Verwantwortung ist, aber ich weiss, dass du dich viel besser damit auskennst und wäre dir sehr dankbar wenn du mir helfen würdest, obwohl ich's verpeilt habe - man kann mit Anerkennung und Entschuldigungen kaum zu dick auftragen, aber sollte nicht jeden Tag auf die Mea Culpa Tour ankommen, das fällt auf!;)

So funktioniert also Deutsch-Frau, während wir von unserem männlichen Testobjekt nur zurückgemeldet bekamen, dass eine so langwierige Erklärung "Ich weiss ja und ich erkenne ja an und blaaa" bei ihm entweder den automatischen Hirn-Standby, oder den "Komm doch zum Punkt" Reflex auslösen würde - das war mal eine interessante Erfahrung.;)
Männer bevorzugen also 4-Wort Sätze wie "Bring den Müll runter."? Dann muss ich mir ja weniger Mühe geben immer schön reflektiert zu kommunizieren und es auch nicht mehr so persönlich nehmen, wenn ich von den Herren der Schöpfung nur Ein-Satz Antworten oder Anweisungen kriege...Das macht das Leben doch einfacher, oder nicht?
Und ihre 50.000 Worte Mindestverbrauch am Tag kann Frau ja dann bei ihren Freundinnen loswerden!;D

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