12.02.2010

Stars gegen Vorurteile

Manchmal können einen diese ganzen Promi-Hochglanzmagazinchen schon auf die Plame treiben, oder?
Vielleicht fehlen mir ja ein paar Kilo weibliche Hormone, aber mich interessiert komischerweise eigentlich nie wieviele Kinder Madonna nun wieder adoptieren will, oder wieviel jünger ihr neuster Toy-Boy ist, wieviele Kinder Brangelina inzwischen haben und ob die beiden nun getrennte Schlafzimmer nie von innen sehen, weil sie ja eh ständig unterwegs sind...

Angleblich interessiert "Frau" sowas, genau wie "Frau" auch Liebesfilme mag und Sex and the City, Handtaschen, Schuhe und kleine, verhutzelte Hunde. Manchmal glaube ich, ich sollte aus Rücksicht auf solche Klischees eine Geschlechtsumwandlung machen lassen - dann kann ich wenigstens auf Werkzeug, Punkrock, Bier und Actiofilme stehen und mir nur dann neue Schuhe kaufen, wenn die Alten kaputt sind, ohne dabei ständig alte Vorurteile zu gefährden.;)

Da ist es doch positiv zu vermelden, dass sich manche Promi Frauen nicht nur für Kinder in Afrika einsetzen (was gut und lobenswert ist!), sondern auch mal kommentieren, was so in unserer Gesellschaft falsch läuft - grade in punkto Vorurteilen.
Kate Winslet zum Beispiel hat sich meine unsterbliche Hochachtung nicht (nur) erworben, weil sie eine hervorragende Schauspielerin ist, sondern weil sie darauf besteht, dass echte Frauen Falten bekommen dürfen, wenn sie älter werden und einen BMI von mehr als 18 haben. Ich denke, dass solche Vorbilder wichtig sind, vor allem, wenn mir im normalen Leben immer wieder Mädels begegnen, die Kleidergröße 36-38 tragen und sich für "zu dick" halten.^^ Das hat nichts mehr mit normaler, objektiver Selbstwahrnehmung zu tun und wird, meiner Meinung nach, nur von den lieben "Frauen" Zeitschriften ausgelöst, die dir weismachen wollen, dass Körpermaße von 70-50-70 nicht nur normal, sondern auch erstrebenswert sind.
Vielleicht ist es ganz gut, dass ich mit diser Art von Weiberkram nichts anfangen kann, so ist es mir möglich auch mit Kleidergröße 44-46 zu existieren, ohne mich in regelmäßigen Abständen erschießen zu wollen. Mehr Fett = weniger Falten, ist eine ganz einfache Rechnung - und wirklich wenige nette und aufrichtige Männer stehen auf verbissene Hungerhaken, nur mal so als Erfahrungswert.;) Wer auf die andere Sorte Mann steht, hat natürlich ein Problem, aber nicht nur mit dem Gewicht...

Und heute lese ich in der TV Spielfilm, dass manche weiblichen Hollywood Stars, wie Jennifer Aniston und Reese Witherspoon, sich inzwischen sogar öffentlich dazu bekennen zum Psychiater zu gehen - und das in Amerika, wo doch sowieso jeder 2. einen eigenen Couchmenschen hat...erstaunlich!
Scheinbar ist es immer noch nötig, dass "prominente Mitglieder der Gesellschaft" darauf hinweisen, dass man nicht "verrückt" oder "gaga" sein muss, um sich professionelle, psychologische Hilfe zu holen, wenn man mit sich, seiner Beziehung und seinem Leben unzufrieden ist. Und das ist, in meinen Augen, genauso traurig wie abgemagerte Teenager.
Ich selbst habe genug Psychologieseminare und Konfilkmanagement Kurse schon in der Schule gemacht, um zu erkennen, wieviele Menschen einem so im normalen Schul-, Uni- und Berufsalltag begegnen, die zwar ihre wunderbare Fassade pflegen, aber innerlich auf dem Entwicklungsniveau von Teenagern stehen geblieben sind. Die einfachste Konflikte zu handfesten Streitereien eskalieren lassen müssen, weil sie nicht einen Moment ihre eigene Perspektive verlassen können. Die völlig hilflos feststellen, dass sie mit anderen Menschen nicht klarkommen, weil sie mit sich selbst nicht klarkommen. Die in Depressionen versinken, weil sie den Unterschied zwischen "mal schlecht drauf sein" und Selbsthass nicht erkennen, oder völlig launisch nach einem Schuldigen für ihr unbefriedigendes Leben suchen, damit sie das schwarze Loch nicht sehen müssen, wo eigentlich eine gesunde Selbst-Reflektion sitzen müsste.
Projektion von eigenen Problemen auf Andere, mangelnde Selbstreflektion, mangelndes Kommunikations- und Konfliklösungsvermögen, oder zwanghaft übertriebene Erwartungshaltungen an sich selbst und seine Mitmenschen begegnen einem so häufig, dass man schon manchmal an der Menschheit verzweifelt.
Und alle diese Leute drehen sich weiter in ihrer einsamen oder verkorksten Existenz, anstatt sich Hilfe zu holen, weil sie ja nicht "verrückt" sind und solchen "Psychoscheiß" nicht brauchen - schönen Dank, da nehm ich lieber den Couchmenschen und bin damit glücklich als unabhängig und völlig neben der Spur!^^
Ich habe sehr wenig Gedult mit Menschen, die sich nicht helfen lassen wollen, so eine "Ich kann das halt nicht" Anti-Haltung zelebrieren, oder immer wieder Ausreden finden, warum sich ihr Leben oder alle Anderen, aber nicht sie selber ändern müssen. Zumal solche Probleme mit sich selbst über kurz oder lang immer dazu führen, dass man andere Menschen verletzt und/oder unfair behandelt - auch unabsichtlich, aber das kommt im Ergebnis leider meist auf's Selbe raus.
Ich glaube, ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass ich tatsächlich gleich mehrere Freunde aus der Masse selektiert habe, mit denen man sich vernünftig unterhalten kann, denen man ruhig und sachlich erklären kann, wenn man mit ihrem Verhalten unglücklich ist und von denen man im Gegenzug eine vernünftige Rückmeldung zum eigenen Verhalten bekommt. Das entspannt das Leben ungemein, sollte man mir glauben!;)

Trotzdem hoffe ich, dass die Prominenz solche Themen etwas populärer macht und diese vorsinnflutlichen Rollenklischees und Vorurteile endlich beseitigen hilft, damit vielleicht am Ende weniger Menschen in unserer schönen Konsumgesellschaft so erstaunlich unglücklich sind.

So Wort vom Sonntag beendet, schlaft alle gut!;D
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