04.10.2009

How to: Kimono (vorsicht lang, aber mit Fotos!;)

Jaja ich weiss, ich hab's schon 1000x erzählt und alle Menschen, die sich regelmäßig mit mir ungeben, können es vermutlich schon nicht mehr hören: Ich habe mir einen Kimono gekauft!
Und ja, ich freue mich immer noch (nach...3 Wochen?) darüber, wie ein Kind an Weihnachten!;)

Und weil ich mich wie ein Schneekönig darüber freue wie schön dieses Ding ist und außerdem an Halloween eine perfekte Ausrede habe es auch zu tragen, folgt hier nach 3 Wochen harter Arbeit, mehreren Muskelkatern und Stunden von Improvisierarbeit das "How to" zum Kimono tragen, weil ich das so in deutsch nirgendwo gefunden habe und weil ich es voll spannend finde - womit ich vermutlich alleine bin, aber wozu wäre ein Blog sonst gut, wenn nicht, um Dinge zu erzählen, die sonst keine Sau interessieren?!Falls sich doch Freunde und Liebhaber japanischer Kultur finden, besucht niemals den Ichiroya Flea Market, wenn ihr gerade pleite seit!;) Es sei denn um die lehreichen Erklärungen zu den verschiedenen Kimono und Obi Arten zu lesen. Meine Kommunikation mit Yuka und Yoko aus dem Versand habe ich ja an anderer Stelle schon beschrieben und kann den Laden was den Kundenservice angeht nur wärmstens empfehlen - allerdings muss man zu den Shipping-Kosten noch ca. 8-10% Zollgebühren rechnen.

Dafür bekommt man allerdings auch teilweise historische Einzelstücke zu Preisen, zu denen sich das trotzdem noch lohnt (meine Schönheit ist aus den 1920gern und bis auf ein paar winzige Flecken einwandfrei erhalten). Um Klugscheißer und andere Geeks aber gleich mal zu beruhigen, ja ich weiss, dass es strenge Regeln gibt zu welcher Jahreszeit welche Muster getragen werden dürfen und dass es mir als verheirateter Frau eigentlich nicht mehr ansteht die langen Furisode-Ärmel zu tragen...ich tu's nur trotzdem, weil es in Europa eh niemanden stört und es mir einfach besser gefällt!;)
Wenn dann das Paket angekommen ist, geht es an's üben, denn Kimono ist kein Kleidungsstück, dass man einfach so überzieht und fertig. Manche Menschen machen tatsächlich Seminare dazu, aber ich war ja schon immer eher autodidaktisch veranlagt.;)
Man beginnt also mit der Sammlung von 4Schals/Bändern/Gürteln, die zur Fixierung gebraucht werden. Diese sind nacher nicht zu sehen und daher ist es ziemlich egal, wie sie aussehen. Dann noch 2Bänder/Schals, die möglichst hübsch sein sollten, weil sie als Obiage (Brusttuch) und Obijime (Obikordel) gebraucht werden und damit sichtbar bleiben. Dann fehlt noch das Obimakura, ein kleines Ploster für den Obi-Knoten, dass traditionell mit rohem Reis gefüllt war. Meins besteht aus Stoff/Füllwatteresten und einer alten Strumpfhose (Improvisation ist alles!;).
Außerdem gehört zur Ausstattung ein Unterkleid, oder eine Komibnation aus Hadajuban (Unterhemd) und Koshimaki (Hüfttuch). Meine Kombi besteht aus meinem Satin-Morgenmantel und einem Hüfttuch, dass mal eine Gardine war, ein normaler Pareo tuts aber auch.;) Dann brauchen wir nur noch ein paar Sicherheitsnadeln und 1-2Handtücher, den eigentlichen Kimono (vorsicht schwerer als er aussieht!) und den 4m langen Obi und "schon" kann's losgehen.

Wie die Prozedur dann vor sich geht, lasse ich mal Yuka erklären, die kann das sicher besser als ich:




Wie ihr seht, sehen meine Zwischenergebnisse schon recht ähnlich aus, nur den 2. Part, in dem es ums Obi binden geht, habe ich nicht von Yuka übernommen, da sie sich nur mit Nagoya Obi beschäftigt, ich aber einen Fukuro Obi habe (weil ich die schöner finde;), die etwas anders gebunden werden, wie ihr hier seht:



Von Yuka habe ich allerdings übernommen, dass ich meinen Obi vorne binde und dann am Schluss auf den Rücken ziehe (glaubt mir das ist schon schwer genug und es sieht in dem Video wirklich 100x einfacher aus!;).
So kommen wir zum vorläufigen Endergebniss, nach 3 Wochen langer Übungsarbeit - wirklich ungelogen da gehen Abende für drauf sich immer wieder aus- und einzuwickeln, bis alles so halbwegs sitzt. Den hier angewendeten Obi-Knoten nennt man übrigens Taiko, weil er ein bißchen so aussieht wie eine kleine Trommel (ja in Japan sind Trommeln manchmal viereckig;), was vielleicht erklärt, warum er mir leichter fällt, so als ehem. Drummer...haha ja Spitzenwitz ich weiss...;)













Was jetzt noch fehlt sind die letzten Acsessoirs: Tabi (Socken mit abgeteiltem großen Zeh), Zori (Reisstrohschuhe, hier die etwas stylischere Variante mit 2 Riemen;) und Haarstäbchen (echt französisch, weil's so gut passt;)


Und dann kann dem großen Auftritt wirklich nichts mehr im Wege stehen...zumindest bis man weitere Strecken laufen, auf niedrigen Sofas sitzen, oder auf's Klo gehen soll, dahin bin ich noch nicht vorgedrungen!;D

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