02.09.2009

Domspringen 2009. Oder: Der fliegende Holländer


Ich glaube ich hatte heute mein Erweckungserlebniss in puncto Leichtathletik.
Ein Satz wie in Stein gemeißelt, aber leider wahr, denn bisher muss ich zugeben, fand ich Höher, Schneller, Weiter als Sport eher uninteressant. Gut, man könnte jetzt einwenden, dass ich was Sport angeht sowieso keine Ahnung habe und man hätte auch Recht damit, aber eins kann ich sagen, beim nächsten Domspringen stehe ich in Reihe 1!

Bei unserer Ankunft auf dem Katschhof - nach ausgedehntem Abendessen - um 18Uhr sah es noch nicht danach aus, als würde der Abend vielversprechend enden. Die meisten Sprünge gingen doch etwas daneben, als Einziger klatschen ist auch doof und außer Tim Lobinger hatte ich auch namentlich noch niemanden aktiv wahrgenommen. Die Angewohnheit des DJ für jeden Springer einen eigenen Song einzuspielen, führte erstmal nur zu 2 Fragen:
1. Wer hat ihm eigentlich erzählt, dass es der Partystimmung förderlich ist, alle 20sek den Anfang eines anderen Liedes zu spielen?
2. Durften die Springer die Songs selber auswählen?
In diesem Fall hätte der gute Herr Lobinger zumindest den Preis für den musikalischen Griff ins Klo bekommen (Frauenarzt Was geht ab). Das einzig erbauliche daran ein Zuschauerkommentar von Lena (ca. 6 Jahre): "Das Lied is aber doof Papa, wenn man die ganze Nacht Party macht, kann man doch gar nich schlafen!" You'll learn, my child, we all do...;D
Alles in allem war eigentlich keiner traurig, als sich der "Star" damit bei einer Höhe von 5,50 verabschiedete und man nicht mehr alle 2Minuten Frauenarzt hören musste.

Damit das Ganze anfing richtig Spaß zu machen, brauchte es dann einen kleinen fliegenden Holländer, der zwar nichts gewonnen hat, aber seine persönliche Bestleistung von 5,55 auf 5,60 verbessert. Es gibt ja immer einen Entertainer in der Meute und der Kleine hat wirklich eine große Show geliefert. Man hätte ihm auch geglaubt, dass er gerade Weltmeister, President und Papst in einer Person geworden wäre. Die ersten La-olas waren noch etwas verhalten, aber als es dann auf die 5,65 hoch ging, sah es schon so aus, als wäre ein Mensch, der es nichtmal unter die Top 3 geschafft hat, der Star des Abends. Dass er von den Gestalten der Einzige war, den ich wohl auch nicht von der Bettkante geschubst hätte, mag da geholfen haben.;)
Nach der Anzeige fürs Publikum, dass heute die 6m fällig sind und der wiederholten Ansage an den DJ die Musik voll aufzudrehen (Roling Stones Paint it black) der dritte und letzte Versuch über 5,65. Die Höhe stimmt, die Ellebogen nicht. Die Stange fällt. Der Katschhof stöhnt und jubelt. Let's hear it for the winning loosers!;)
Danach bleiben nur noch 3 Springer übrig, von denen einer gleich zu Beginn des Durchlaufes das Handtuch wirft. Und jetzt beginnt das Spiel mit dem ich nicht gerechnet hatte. Hochsprung ist tatsächlich Poker ohne Karten. Der deutsche Springer (ich nenne ihn mal D., wer die Namen will, soll Zeitung lesen;) nimmt die 5,65 im ersten Anlauf, sein französischer Gegner nicht. Der verzichtet daraufhin auf weitere Versuche und lässt die Latte gleich auf 5,70 legen - 2 Versuche hat er noch.
Der Stadionsprecher klingt verdutzt, als er mitteilt: "D. verzichtet auf die Höhe von 5,70 und will erst bei 5,75 wieder einsetzen." Keine Reaktion des Publikums, schließlich hat er sowieso gewonnen, wenn der Franzose (F.) seine beiden verbleibenden Versuche versaut. Dann der 2. Kommentator: "Vielleicht solltest du dazu erwähnen, dass D. noch nie in seiner Karriere mehr als 5,70 gesprungen ist!" Der Katschhof lacht und johlt. Nerven braucht der Mensch!;)
F. läuft an zum 2. Versuch, aber verzieht. Die La-ola bei seinem letzten Versuch ist schon Stadionreif. Trotzdem fällt die Stange. Der Wettkampf ist vorbei.
Dann die Ansage: Die 5,75 werden aufgelegt, scheinbar geht es hier jemandem um die Ehre, die persönliche Bestleistung und den Wettbewerbsrekord. Der Katschhof jubelt.
Beim vorlezten Versuch hat man das Gefühl das allein das Geschrei der Zuschauer müsste Auftrieb geben. Die Stange liegt. Die Stange hüpft. Die Stange liegt. Die Stange fällt. Der Katschhof kreischt!
Die Pause zwischen den Sprüngen wird überbrückt von Massive Attack, um das kollektive Ziehen in der Magengrube nicht abflauen zu lassen. Alle warten auf den Moment, auf den Hollywood-Zeitlupen-Moment, den Moment in dem der Held des Films scheinbar mühelos aus dem Ärmel schüttelt, woran er vorher immer gescheitert ist. Fast wartet man auf Musik und ein verheißungsvolles Aphorismus-Echo aus der Trainerecke...
Beim letzten Versuch kreischt der Katschhof schon beim Anlauf. Der Absprung ist gut, die Höhe stimmt und da ist er! Die Zeitlupe bleibt aus, die Musik auch, der Moment dauert nur eine stille Sekunde. Die Stange vibriert. Die Stange liegt. Fanfaren aus den Lautsprechern(Liszt's Krönungsmesse) . Der Katschhof...rastet aus!;)
Die Sprecherkommentare hört keiner mehr, interessiert hat's eh keinen und als dann das unvermeidliche Jump über den Platz dröhnt, beschließen wir, dass man immer gehen sollte, wenns grade am schönsten ist...oder die Musik-Witze zu seltsam...

Ganz ehrlich, ich habe nicht mehr so gebrüllt seit meinem letzten Ärzte-Konzert und ich glaube auch nicht mehr so viel geklatscht...
Ich werde nie wieder behaupten Sport wäre langweilig, ich versprech's!;D
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